1. Das russische Reich im 17. Jahrh. (1613—1C89). 31
und nicht selten mit Gefahr des Zerspringens verknüpft. Die unterSchein vor Smolensk befindliche Belagerungs-Artillerie (1633) erregtesogar das Erstaunen der Fremden durch die, wie sie sagten, unerhörtenDimensionen der Geschütze (im Gewichte von 176, 350 und 450 Pud,Lafette mit Rädern 200 Pud, mit 10 Gespannen Pferde davor, Geschossevon 1 Pud Schwere und darüber). Die Belagerungs-Artillerie befandsich vorzugsweise in Moskau, Nowgorod und Pskow. Regiments-Artillerie (im weiteren Sinne Feld- oder leichte Artillerie überhaupt)existirte bis zur 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, von da an wurde dieeigentliche bei den Regimentern befindliche Artillerie so genannt. Soals Schein vor Smolensk, 1633, seine ganze Artillerie verlor, wurdeihm erlaubt, bei seinem Abzüge nur 12 Regimentsgeschütze mitzu-nehmen. Vom Ende des 17. Jahrhunderts an hatte die Feldartillerieschon die definitive Bestimmung als eigentliche Regimentsartillerie, undzwar 5 Geschütze bei jedem Regiment, bei den Strelitzen und Soldatenaber 6—8; ausserdem befanden sich bei dem »Abtheilungszeltc«(Rasrjadny schater) oder dem obersten Wojewoden 10 Geschütze schwe-ren Kalibers, »das grosse Regimentscorpsgeschütz« genannt, zur Frie-denszeit befanden sich die Regimentsgeschütze bei den Versammlungs-höfen (ssjässchaja isba, Regimentshöfen) ihrer Regimenter. Geschützewie ganze Ausrüstung wurden im Kriege durch »Ackerpferde« fortgeschafft,d. h. auf Hausbesitzerfahrzeugen, welche »vom Pfluge weg« requirirt wur-den (eine von vielen dem Bauer obliegenden Leistungen), bisweilen auchdurch Miethsgäule. Im Allgemeinen aber war unsere Artillerie im 17. Jahr-hundert, wie auch vorher, trotz ihrer Schwerfälligkeit, Unbeweglichkeit, derschlechten Construction der Laffetten und des übrigen Materials, und trotzder dadurch erforderlichen grossen Kräfte, Mühe und Zeit, sowie dertheilweisen Erfolglosigkeit ihrer Verwendung in einzelnen Fällen, sehrzahlreich, namentlich unter Alexei Michailowitsch und später,und brachte beim praktischen Gebrauche manchen Nutzen, hatte imKriegswesen jener Zeit ihren Antheil an der Einwirkung auf die Kriegs-operationen und leistete in den Kriegen oft wichtige Dienste.
Schliesslich mag noch ein Wort über die Ausnutzung und Bearbei-tung der Erzminen, das Schmieden und Giessen der Metalle zu Geweh-ren , Geschützen und Geschossen und die Zubereitung des Pulvers inRussland Platz finden.
Trotz des natürlichen Reichthums an Metallminen aller Art in Russ-land war doch in Folge des Mangels an Kenntnissen, Unternehmungs-geist und erfahrenen Technikern die Exploitirung derselben so unbedeu-tend , dass man ohne Einführung, hauptsächlich von Eisen und Kupfer,im Rohstoff und verarbeitet, aus Westeuropa, namentlich über Archangel,nicht auskommen konnte. Ebenso stand es aus den gleichen Ursachen