30 I- Kriege von 1613—1689.
schösse; — 4) Leuchtkugeln; — alle nach und nach beim Gebrauchenoch verbessert, namentlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts.
Die bei den Geschützen und der Artillerie überhaupt dienendenMannschaften bildeten schon seit Johann (Iwan) IV. eine besondereKlasse von Kriegern, die Stückknechte (Puschkari, Kanoniere),mit besondern Rechten. Sie besassen in den Städten Landantheile,lebten auf denselben in besondern Kanonier-Vorstädten, durften Handelund Handwerke treiben, erhielten von der Regierung Löhnung und Na-turalien , und wurden in ihren Angelegenheiten von ihren eigenen Ober-häuptern im Kanonier - Gerichtshofe (Puschkarski Prikas) abgeurtheilt.Neue (Rekruten) wurden nur auf die Bürgschaft von Altgedienten ange-nommen. Die moskauischen waren höher angesehen als die städtischenund bekamen einen etwas höheren Sold. Ausser der Bedienung derGeschütze transportirten die Puschkari auch Pulversendungen, wurdenzu andern Sendungen verwendet, dienten als Schreiber in den Versamm-lungshäuseru (Polkowoi dwor, Regiments-Höfen, -Kasernen) u. s. w.,weshalb ihr Dienst auch Jahres- oder dauernder, und Botendienst ge-nanntwurde. Neben ihnen wurden noch die Satinschtschiki, welchedie kleinen, Bleigeschosse schleudernden Stücke bedienten, dieSchmiede für alle Arbeit an den Geschützen und Wällen, dieZimmerleute für die Holzarbeiten, die Granatschiks (Granaten-werfer) , die Wachen mit den Ausläufern und sogar diePförtner zur Artillerie gerechnet, welche die Wache der Festungs-thore bildeten und deshalb mehr zu den lokalen Festungstruppen ge-hörten.
Es ist ungewiss, ob sich die Puschkari vor ihrem Eintritt in denDienst und während desselben für ihre Thätigkeit vorübten. Man kannwohl eher annehmen, dass sie erst während ihrer Dienstzeit durchUebung den Dienst kennen lernten, die Neuen von den Alten. Uebrigenssind Anzeichen vorhanden, dass schon seit Johann IV und späterunter Michael Feodorowitsch und Alexei Michailowitschüber die Stückknechte Besichtigungen im Schiessen aus Feld-, wie auchaus Festungs- und Bclagerungs-Geschützen — gesondert nach Kalibernund Geschossen — abgehalten wurden.
In Bezug auf den Kriegsgebrauch theilte sich die Artillerie inFestungs-, Belagerungs- und Regiments- (Feld-) Artillerie.Der Bestand der ersteren, in den Festungen aufbewahrt, war ein sehrzahlreicher und verschiedenartiger, kleinste wie grösste, eiserne,kupferne (metallene), gusseiserne Geschütze der verschiedensten Con-struetion. Die Belagerungs-Artillerie zeichnete sich hauptsächlich durchuugeheuer grosse Geschütze von bisweilen erstaunlichen Dimensionenaus, ihr Transport und Gebrauch war mit ungeheurer Mühe, Anstrengung