14 I. Kriege von 1613—1689.
3. Januar 1681 mit der Pforte befahl Feodor den Zusammentritt einesCollegiums (Duma) auserwählter Mitglieder des Kriegerstandes unterVorsitz des klugen und gebildeten Fürsten Wassilij WassiljewitschGalitzin (später unter der Kaiserin Sophia besonders bekannt ge-worden) , welches untersuchen sollte, welche Maassregeln man zur Ver-theidigung des Staates gegen die Türken ergreifen könne. Diese Duma gabals unerlässlich an: dem Heere eine bessere Organisation geben, Einheitin seine Handlungen bringen, die Regimenter in Rotten (Haufen, Com-pagnieen) theilen und anstatt der Hunderter nun Rottmeister (Anführer einerRotte) und Lieutenants (Gefährten und Gehülfen derselben) ernennen, ohnealle Rücksicht auf 0 eburtsrechtc. Danach legte sie den Ent-wurf eines Verzeichnisses von Rottmeistern und Lieutenants vor und bat,um jedem Widerspruch und Missvergnügen vorzubeugen, dass fürdie Zukunft in keinem Falle mehr Geburtsrücksicktengelten sollten. Feodor berief eine Versammlung von geistlichenund weltlichen höchsten Würdenträgern und befragte sie um Rath. Ein-stimmig erkannte diese Versammlung die Unerlässlichkeit und Zeitge-mässheit der Abschaffung dieses verderblichen Vorurtheils an. Nun(12. Februar 1682) Hess Feodor die Adelsbücher (Rasrjad), in welchendie auf den Geschlechtsrang bezüglichen Dinge enthalten und ausge-führt waren, holen und in Gegenwart der ganzen Versammlung ver-brennen, und gestattete, an deren Statt ein »genealogisches Buch«anzulegen, »zur Erinnerung an die Dienste der Vorfahren des alten Adels«.Der Rath aber beschloss, dass alle Chargen ohne Altersvorrang(bes mjäst) sein sollen und dort dienen müssten, wo der Herrscherbefehle, bei Androhung strenger Strafe im Fall des Ungehorsams.
Nach Feodor's Tode erheben sich mit Peter, dem 10jährigen Sohnedes Alexei Michailowitsch aus dessen 2. Ehe mit Natalie Kiri-lowna Naryschkin, zugleich auch die Strelitzen. Am 27.April1682 rufen die Reichsstände einstimmig Peter zum NachfolgerFeodor's und zum Zaren aus, und ohne Widerspruch huldigt ihmMoskau und ganz Russland.
Von nun an vermehrt sich, wie unter Alexei Michailowitsch.die Zahl der Strelitzen, welche sich durch zum Kriegshandwerke nichtgehörende Handelsgewerbe bereicherten, ihren Dienst vernachlässigtenund sich dem Luxus, der Völlerei, der Eigenwilligkeit, der Meuterei undder Unordnung ergaben. Schon am 30. April 1682 legten sie Peter einekühne Drohungen enthaltende Bittschrift vor, die sich gegen viele ihnenverhasste Obersten richtete. Die noch schwache neue Regierung wolltedie Strelitzen durch Milde beruhigen und bestrafte 17 Obersten mitStrenge. Die Strelitzen huldigten Peter, aber der meuterische Geistunter ihnen erlosch nicht, — und die den Naryschkin'schen entgegen-