1. Das russische Reich im 17. Jahrh. (1613—1689). 15
stehende Partei der Miloslawski'sehen (Anhänger der 1. Gemah-lin von Alexei Michailowitsch, Maria Ilinitschna Milos-lawska, von welcher er 2 Söhne: Feodor und Johann [Iwan], eineTochter Sophia und noch 8 weitere Kinder gehabt hatte) gebrauchte dieStrelitzen als Werkzeuge zur Niederwerfung der Naryschkin'schen.An ihrem Vorhaben betheiligte sich die ehrgeizige Zarewna Sophia,und am 15. Mai 1682 brach der erste furchtbare Aufstand der Strelitzenin Moskau aus, wobei sie an 70 Menschen der Naryschkin'schen Parteiermordeten, Iwan mit Peter zusammen zum Zaren, Sophia aberzur Statthalterin des Keiches ausriefen.
Damit begann die ganze Reihe von Strelitzen-Aufständen, welcheunaufhörlich während der 7'/ 2 Jahre bis zur Thronbesteigung Peter's(7. September 1689) und auch noch nachher bis zur gänzlichen Auflösungder Strelitzen (August 1698) stattfanden.
Nach der ersten Empörung der Strelitzen, welche Sophia mit Erb-gütern und sogar mit lobenden Urkunden und der ehrenden Ernennungzur Hof-(Garde-)Infanterie belohnt hatte, wurden diese noch eigenmäch-tiger, kühner und um so gefährlicher, als zur selben Zeit in Moskau derAufstand der Religionssekte der Altgläubigen oder Altbekenner(Orthodoxen) sich gegen die Regierung erhoben hatte (5. Juni 1682).Als aber diejenigen Strelitzen, welche ihrer Pflicht treu geblieben waren,diesen Aufstand gedämpft hatten, unterdrückte Sophia selbst, welchedie von Seiten der Strelitzen ihr drohende Gefahr begriffen hatte, am17. September 1682 einen neuen Aufstand derselben, indem sie ihrenBefehlshaber, den Fürsten Chowanski, nebst seinem Sohne und meh-reren der schuldigen Strelitzen hinrichten Hess, die übrigen in entfernteStädte verbannte, und in Moskau nur diejenigen zurückliess , auf welchesie sich mehr verlassen konnte.
Während der nun folgenden 7 Jahre regierte Sophia mit unge-wöhnlichem Verstände und Sorgfalt für das innere Wohl, erliess vielestaatliche Anordnungen, welche sich auch ganz besonders auf das Heeres-Lehnswesen bezogen, so die Instruktion für die Häscher, 1683,um die Desertionen der Bauern von den Gutsherren zu vermeiden, — dieKataster-Instruktion über die neue Ausmessung der Erb-und Lehns-güter, — viele Ergänzungen zu dem Gesetzbuch über Zusammenstellungenin Bezug auf Erb-, Lehnsgüter u. s. w. Im J. 1687 aber brachte sie,in der Hoffnung, durch Besiegung der Krym-Tataren allgemeines Ver-trauen zu ihren Regierungsgaben zu erwerben und ihre Verwaltung da-durch zu verlängern, ein zahlreiches Heer zusammen, ähnlich dem,mit welchem Iwan IV. Livonien, und Alexei MichailowitschLithauen erobert hatte, und vertraute den Oberbefehl desselben ihremGünstlinge Wassilij Was silj e witsch Galitzin an, um die Krym-