12 I. Kriege von 1613—1689.
Sold gezahlt. Die Anzahl der Schützen wurde um einige Regimentervermehrt und die seit Johann (Iwan) IV. ihnen zuertheilten Rechteund Vorrechte : Befreiung von Gerichts- und Stempel-Gebühren, Rechtdes Branntwein-Brennens und -Handels, Stellung unter ihre eigene be-sondere Verwaltung — die Strelitzen-Kammer (StrjälezkiPrikas) — durch einen Erlass bestätigt, was viele Handeltreibendebewog, sich zu den Strelitzen (Schützen) einzuschreiben, und zu grossenUnordnungen Veranlassung gab (ganz ähnlich wie in dem Corps dertürkischen Janitscharen). Fremde berief Alexei Michailowitschzum Dienst in das russische Heer hauptsächlich, um hier westeuropäischeAusbildung, Organisation und Dienst-Instruktion einzuführen. Gleichseinem Vater belohnte er die Besten derselben für ihre Dienste mitLehnseinkünften. Aus ihnen ernannte er die Generale, Obersten,Majors, Kapitains und Rottmeister, Lieutenants u. s. w.,während er den Oberbefehl über die Armeen (Ratj) an russische Bo-jaren und Wojewoden übertrug. Die Anzahl der fremden und russischenRegimenter zu Fuss und zu Pferde nach deutscher Organisation ver-mehrte sich unter ihm, und seine steten Bemühungen, dass die fremdenOffiziere unermüdlich und gründlich die Ausbildung dieser Truppen be-trieben, brachten die letzteren soweit, dass sie einen ziemlich hohen Gradder Ausbildung erreichten (s. unten § 5). Das Geschütz (Artillerie)wurde vermehrt und es giebt schon gute russische Kanoniere, Geschütz-giesser und andere Techniker. Zum Schutze der Grenzen wurden dieGrenzstädte befestigt, an den Südgrenzen neue Festungen erbaut, diealten Grenzverhaue in Stand gesetzt und neue Befestigungslinien anden Grenzen hergestellt. Im J. 1647 endlich ward als Leitfaden für dieTruppen ein Buch: »Unterricht und Geschicklichkeit in der Kriegs-Ausbildung der Fusstruppen« gedruckt, das erste in Russland selbst(Moskau) in russischer Sprache gedruckte militärische Werk*). AlexeiMichailowitsch that also, mit einem Worte, sehr viel für die bessereAusbildung des russischen Heeres im Allgemeinen und der Truppenfremder Formation im Besondern. Er Hess dabei jedoch, wie sein Vater,die ursprüngliche Grundlage des Heeres und das Heeres-Lehns-Systemunverändert, das mit der Vorraugsfrage ^Mjästnitschestwo), der Ernennungder Wojewoden nach ihrem Geschlechtsalter, und allen übrigen alten russi-schen Heeresgebräuchen vollkommen erhalten blieb. So behielt denn, durchdie Zusammensetzung aus einer Mehrzahl von auf Zeit dienenden
*) Nach Einiger Meinung ist dies Buch die Uebersetzung einer deutschen Hee-res-lnstruction, welche im 16. Jahrhundert unter Carl V entstand; nach Sabjelin(kaum glaubhafter) die des dän. Capitains Walhauscn: "Kriegskunst zu Fuss«,1615.