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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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1. Das russische Koich im 17. Jahrh. (1013-1689). 11

das einzige stehende (im damaligen, nicht im heutigen Sinne) russischeTruppenkorps. Ihre Zusammensetzung, Bewaffnung, Organisation undDienst wurden früher schon geschildert, und kommen wir später seinesOrts darauf zurück. Unter Michael Feodorowitsch wurde ihreAnzahl gegen früher ein wenig vermehrt.

Mit der unter MichaelFeodorowitsch und schon vorher (unterJohann [Iwan] IV.) beginnenden Einführung von Druschinen (Abthei-lungen) fremder Söldner wurde auch das Bedürfniss nach einigen tech-nischen und theoretischen Leitfäden für die Truppen fühlbar. So wardschon unter dem Zaren Basilius Johannowitsch (Wassilij Iwano-witsch) Schuiskoi auf dessen Befehl (wie s. Z. angeführt) durch diezum Hofe gehörenden Uebersetzer Jurew und T ho min ein Kriegs-buch aus dem Deutschen als Manuscript übersetzt, das von der Anfer-tigung des Pulvers und vom Schiessen aus Stücken und Feldschlangenhaudelte. Später, im J. 1607, ward unter demselben Zaren zuerst undunter Michael Feodorowitsch 1621 neuerdings zusammengestellt einManuscript, das den Namen trug: »Aufsätze über Heeres-, Geschütz- undandere Angelegenheiten, welche sich auf die Kriegs - Wissenschaft be-ziehen«, aus fremden Büchern ausgewählt durch Onissim Michai-low*). Welchen Einfluss auf die Bildung der russischen Heere dieseAnleitungen haben konnten und wirklich gehabt haben, ist unbekannt,die Thatsache selber verdient als die erste dieser Art im russischenHeere verzeichnet zu werden.

Der Zar Alexei Michailowitsch führte nach 1650, von wo aner sich persönlich eifrig mit den Staats-Angelegenheiten überhaupt undmit den militärischen im Besondern befasste, in letzterer Hinsicht, gleichseinem Vater, fast keine Neuerung ein, behielt gleichfalls die alten Ge-bräuche bei und änderte Nichts an den Grundlagen des Heeres, setzteaber die Entwicklung des von seinem Vater Begonnenen fort, indem ersich bemühte, Missbräuche und Unordnungen abzuschaffen und eine aufGesetze begründete Einheit, Ordnung, Organisation und Regel herzu-stellen. 1649 erliess er eine berichtigte und vervollständigte »Gesetz-Sammlung« dafiir (Uloshenija), welche in militärischer wie in jederandern Beziehung sehr wichtig war, und befahl dann eine Zusammen-stellung von Kataster-Büchern, eine für das Heeres - Lehns - SystemRussland's gleichfalls sehr wichtige Maassregel. Die zum Kriegs-Lehnsdienste auf eigne Kosten verpflichteten Dienstleute wurden nachLehns- und Erbgütern gleichmässig vertheilt und an Viele derselben

*) Ausführlichere Nachrichten über diese Handschreiben befinden sich in der«Uebersicht der handschriftlichen und gedruckten, auf die Geschichte der Kriegs-kunst in Eusslaud bis zum Jahre 1725 bezüglichen Aufsätze« von Obrutschew.