388 Schluss.
dadurch noch mehr die Operationen der Reiterei im kleinen Kriege und in derSchlacht zu entwickeln.
Dem Beispiele Oesterreichs und Preussens folgten auch die anderen Staaten,und die Zeiten der Kriege Friedrich's kann man mit Recht als glänzende in derGeschichte der neuern europäischen Reiterei verzeichnen. Aber Nadasdy,Haddik und besonders Laudon erwarben sich Ruf nicht nur als Partisanfiihrer,sondern auch als Befehlshaber abgesonderter Corps und Armeen und bewiesenan ihrer Spitze, dass sie begabte Feldherren von Geburt waren. Die hohe Ach-tung, welche Friedrich und Suworow für Laudon hegten, ist das beste Zeugnissdafür.
Die russische Armee, welche seit dem nordischen Kriege unter Peter 1.einige Male auf dem Kriegsschauplatze in Deutschland und Polen, aber nichtmit besonders grossen Streitkräften und Antheil aufgetreten war, erschien zumersten Male mit bedeutenden Streitkräften und als thätige Theilnehmerin imsiebenjährigen Kriege. Anfangs war sie Friedrich noch unbekannt und vonihm wenig geachtet (besonders wegen ihrer zahlreichen irregulären Truppen:Kosaken, Tataren und Kalmücken, welche grausam plünderten und Preussenverwüsteten', aber nach ihrer ersten Schlacht bei Gro3S-Jägerndorf flösste sieFriedrich und seiner Armee durch ungewöhnliche, ihr stets eigene Standhaftig-kuit, Festigkeit und Tapferkeit Achtung ein. Allein in dieser ersten Schlachtwar Friedrich selbst nicht einmal persönlich Augenzeuge dieser Eigenschaften,dafür überzeugte er sich aber in den Schlachten bei Zorndorf und besonders beiKunnersdorf vollends von denselben — und ohne zu wollen entglitt ihm dasZeugniss der Achtung für diese in den denkwürdigen Worten: »Es ist leichter,diese Leute zu tödten, als zu besiegen !« Diesen Ruf der russischen Armeetheilten mit ihr völlig auch alle ihre Generäle und Officiere (Zeuge davon istder Augenzeuge Bolotow) und besonders einige von den ausgezeichneteren,welche in diesem Kriege den Grund zu ihrem künftigen Kriegsruhme gelegthaben, wie Rumjanzow und Suworow, Tottieben und Tököly, ferner welche imVerein mit Suworow sich als Parteigänger als würdige Nebenbuhler Trenck's,Nadasdy's, Laudon's, Ziethen's und Seydlitz's gezeigt haben. Leider ist nichtdasselbe Lob von den Anführern und ihrer Führung der russischen Armeen imsiebenjährigen Kriege zu sagen. Nur Fermor kann und muss eine glücklicheAusnahme machen. Obgleich man ihn keinen bemerkenswerthen Feldherrnnennen kann, so war er doch ein erfahrener kampfbereiter Führer und nichtohne Werth. Nur eins wird ihm die Geschichte nicht verzeihen — seine Auf-stellung der Armee bei Zorndorf gegen Friedrich, wie gegen Türken und Ta-taren — in einem grossem Carre! Was aber die übrigen Anführer der russi-schen Armeen , Apraxin, Soltikow und Buturlin betrifft, so können, wie ausdem oben Gesagten klar hervorgeht, weder die Geschichte noch die russischeArmee über sie persönlich streng richten, weil sie keine Feldherren, sondernvornehme Höflinge waren, welche durch Wohlwollen und Gnade zu dem ihnen