Schluss. 387
Schlüssel zum Verständnisse derselben im Allgemeinen und in den Einzelheiten.Die Seele und das Haupt der Coalition war Oesterreich, das Wiener Cabinetund der Wiener Hofkriegsrath: von dort aus wurden alle Fäden der politi-schen und militärischen Operationen in Bewegung gesetzt. Die active Haupt-armee war immer die österreichische, die übrigen wurden nur als Hilfstruppenangesehen, aber nach dem Willen der österreichischen Politik sollten sie dieHauptfactoren sein. Alle diese Armeen waren der preussischen an Streit-kräften numerisch weit überlegen, aber standen ihr in der Disciplin undFührung nach. Tapfer kämpften ihre Truppen, es waren in diesen mehroder weniger gute, sogar ausgezeichnete Untergeneräle, aber ihre Ober-anführer und ihre Führung war im Allgemeinen wenn nicht unter, so dochnicht über dem Niveau der Mittelmässigkeit. Sie hatten keinen einzigenAnführer, den man Friedrich, dem Prinzen Heinrich oder dem Herzogevon Brannschweig gegenüber im strengen Sinne des Wortes einen gutenFeldherrn und würdigen Gegner Friedrich's und seiner Feldherren nennenkönnte. Dies vermindert jedoch nicht im Geringsten den Werth und die Ehreweder Friedrich's und seiner Feldherren, noch Preussens, Oesterreichs, Russ-lands, Frankreichs, ihrer Völker und Armeen, sondern bezeichnet nur diefalsche Wahl der Anführer. Aus der Zahl der österreichischen (Browne,Neipperg, Khevenhüller, Bärenklau, Herzog Karl von Lothringen, Fürst Lob-kowitz, Traun, Königsegg), haben Daun, Nadasdy, Haddik und besonders Lau-don sich Bedeutung und Ruf erworben. Aber, wie schon oben gesagt, war derRuhm Daun's nur ein Widerschein des Ruhmes Friedrich's, dessen jahrelangerund bekannter Gegner er zu sein die Ehre hatte. Aehnlich, wie im Alterthumedas Schicksal den Namen Fabius Cunctator mit dem Namen Haunibal verknüpfthat, so hat es auch in der Neuzeit mit dem Namen Friedrich den Namen Daunverbunden — dieses Cunctators der Neuzeit, dessen Name in der Geschichtegenannt wird, um als Synonym eines langsamen und unentschlossenen Feldherrnzu dienen. Uebrigens entsprang sein unentschlossenes Wesen nicht blos aus seinerPersönlichkeit, sondern zur Hälfte auch ans den tiefen und feinen Erwägungendes Wiener Cabinets und Hofkriegsrathes. Trotz alledem hatte Daun einigenWerth, wovon oben die Rede war und der auch von Friedrich selbst geachtetwurde. Dagegen haben Nadasdy, Haddik und besonders Laudon sich wohlver-dienten Ruf durch ihre Kriegsbegabung und ungewöhnliche Kühnheit, Schnellig-keit, Entschlossenheit und Geschicklichkeit in ihren Operationen erworben, derenUrsprung in ihren anfänglichen Operationen als ausgezeichnete Parteigänger ent-halten ist. In dieser letzten Hinsicht kann man sie nach Trenck — ihrem Lehrer— die Väter und Schöpfer der neueren Partisane in Europa nennen. Ihre aus-gezeichneten Operationen in diesem Genre bewogen Friedrich, seine Cavallerieim Allgemeinen und die Husaren insbesondere zu vermehren und zu vervoll-kommnen, begabte Reitergenerale, wie Ziethen und Seydlitz, auszuzeichnen und
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