386 Schluss.
ten. Diese Vereinigung aller Vorzüge, die Friedrich's eigenster Persönlich-keit zuzuschreiben ist, enthält das Geheimniss der ungewöhnlichen moralischenMacht, welche auf preussischer Seite war und siegreich die physische undmaterielle Kraft bewältigte. Ueber Friedrich als Feldherrn, als Seele undLeiter des Ganzen ist in der Schilderung seines Lebens, seiner Persönlichkeitund Heldenthaten zur Gentige gesprochen worden. Seiner würdig waren auchalle seine Generäle, von denen die besonders bemerkenswerthen oben ge-schildert worden sind. Nicht Eigensinn, Wohlwollen und Gnade hatten siezu dem hohen Range erhoben, sondern unzweifelhafter persönlicher Werthund eine ganze Reihe ausgezeichneter Kriegsthaten, ohne dass ihre mehroder minder hohe Abstammung in Betracht gekommen wäre. Ihre Militär-dienstliste war das beste Diplom ihres Werthes, und wenn sie sich auchdurch mancherlei von einander unterschieden, so war es nur ihr grössereroder geringerer Wirkungskreis und die unter Menschen nicht zu vermeidendeMannigfaltigkeit der Charaktere. Sie beseelte aber ein gemeinsames Gefühl, eingemeinsamer Gedanke mit ihrem Oberhaupte — das Gefühl der Liebe zumVaterlande und für dessen Wohl, der Gedanke an die ihm drohende Gefahrund Noth, an die heiligste Pflicht, das Vaterland zu vertheidigen und zuretten. Die gehorsame, ihm und ihnen ergebene, ausgezeichnet disciplinirteArmee war, trotz ihrer Zusammensetzung, von demselben Gefühle, von dem-selben Gedanken durchdrungen, und diese allgemeine Uebereinstimmung, derenMittelpunkt Friedrich war, führte zu dem beispiellosen Triumphe Preussensüber die Kräfte von halb Europa. Gross ist der Ruhm Friedrich's, den seineFeldherren mit ihm theilten, und besonders solche Kriegshelden, wie Prinz Hein-rich, Herzog Ferdinand von Braunschweig, Fürst Leopold von Anhalt, Schwerin,Keith, der Erbprinz Karl von Braunschweig, Winterfeldt, Ziethen, Seydlitz unddie ganze preussische Armee. Dies ist unstreitig die Lichtseite des Bildes!
Etwas dergleichen sehen wir nicht an der gegnerischen Partei. Hier stehtOesterreich an der Spitze mit seiner hundertjährigen, eigennützigen, herrsch-süchtigen Politik des heiligen römischen Reiches, Oesterreich, das nicht wegenSchlesien allein Krieg führte, sondern das die oberste Macht in Deutschlandund ganz Europa sein wollte, und nach diesem seinem Ziele nicht nur miteigenen Kräften und Mitteln strebte, sondern hauptsächlich mit denen derzwei Hauptstaaten Europas, Russlands und Frankreichs, welche es unter demVorwande, dass der Krieg im Interesse dieser beiden Staaten und ganz Europasliege, für seine persönlichen Interessen zu gewinnen verstand. Aber die wahre,gesunde Politik weder dieses noch jenes Staates entsprach dem im Geringsten.Weder Frankreich, der seit einer langen Reihe von Jahren beständige GegnerOesterreichs, noch besonders Russland hatten Grund, das Blut ihrer Armeenzu Gunsten Oesterreichs zu verspritzen. Diese Erwägungen, die obenan stehen,müssen auch an die Spitze der kriegspolitischeu Erwägungen und der Kriegs-operationen der Coalition dieser Zeitperiode gestellt werden. Sie dienen als