XXVI. Marschall Graf von Sachsen. 383
in Mitau angekommen, wurde er im Jahre 1726 von den Landständen zumzukünftigen Herzoge erwählt. Aber Russland und Polen widersetzten sich derWahl, russische Truppen marschirten in Kurland ein, und Moritz, da er keineMöglichkeit sich zu widersetzen sah, entfernte sich nach Danzig und von dortnach Frankreich. Im Jahre 1733 bot ihm der neue Kurfürst von Sachsen,August IE., den Oberbefehl über die sächsischen Truppen an, aber er schlug diesAnerbieten aus und blieb seinen Verpflichtungen gegen Frankreich treu. Im pol-nischen Erbfolgekriege betheiligte er sich an den Kriegsoperationen der franzö-sischen Armeen, in denJahren 1734—35, am Rhein und an der Mosel, befehligtedie Avantgarde, und später den linken Flügel in der Armee des Marschall Ber-wick, leistete grosse Dienste bei der Belagerung von Philippsburg, zeichnetesich im Gefecht bei Revenig am Flusse Salm aus und wurde zum Generallieuteuantbefördert. Während des Friedens schrieb er im Jahre 17 36 seine bekannteund sehr bemerkenswerthe Schrift: Mes reveries (Meine Träumereien) über dienothwendigen Umgestaltungen in der Einrichtung, Art und Weise der Bewe-gungen und Operationen und Verwaltung der Truppen. Im Jahre 1737 fiel erauf einer Jagd bei Moritzburg in Sachsen vom Pferde, in Folge dessen seinebei Krachnitz erhaltene Wunde wieder aufbrach und er sich im Jahre 1740nach Languedoc ins Bad begab. In diesem Jahre, in welchem die wichtigstenThrone in Europa durch den Tod der Fürsten erledigt wurden, erneuerteMoritz seine Bewerbung um Kurland, aber ohne Erfolg. Er kehrte nachFrankreich zurück und bald berief ihn der österreichische Erbfolgekrieg aufeine thätige Kriegslaufbahn. Im Jahre 1741 befehligte er ein Reiter-Detache-ment in der französischen Armee, die sich bei Linz mit den Truppen des Kur-fürsten von Baiern (Kaiser Karl's VII.) vereinigte, und beim Marsche nachBöhmen befehligte er die Avantgarde und war der Haupturheber des Sturmesvon Prag. Im Jahre 1742 ward ihm die Belagerung von Eger übertragen,welche Festung sich ihm auf Capitulation ergab, noch ehe der Sturm begonnenhatte. Nachdem er darauf eine Reise nach Russland gemacht hatte, um das Gutseiner Mutter in Livland zurückzufordern, und nach Dresden zurückgekehrtwar, erhielt er den Befehl über ein französisches Corps in Baiern, das er hinterdie Naab der Armee des Marschalls Maillebois entgegenführte, und marschirtemit dieser nach Böhmen; beim Rückzuge derselben befehligte er ihre Ar-rieregarde. Im Jahre 1743 erhielt er den Befehl, mit der Armee des Mar-schalls Broglio nach Böhmen zu gehen, von wo er nach Entfernung desLetzteren als ältester General die Armee hinter den Rhein zurückführte. Als imJahre 1744 der Herzog Karl von Lothringen sich anschickte über den Rhein zugehen, der von Coigny vertheidigt wurde, begab sich Moritz mit 3 BrigadenInfanterie und 15 Escadronen zu seinem Freunde, den Herzog von Noailles,um unter dessen Befehl zu dienen, und half ihm alle Versuche des Feindes, dieLauterburger Linien zu erobern, abschlagen. Im Winter darauf erhielt er zumersten Mal den selbständigen Befehl über eine französische Armee, die bei Dün-