378 Beilagen.
Armee und überhaupt durch Ordnung in der innern Einrichtung und Verwal-tung der Truppen. Nach der Einverleibung Weiss-Kusslands im Jahre 1772wurde er als erster General-Gouverneur dorthin geschickt; er bildete zweiStatthalterschaften, Mohilew und Pleskow, und trug sehr viel zur guten Ein-richtung von Weiss-Russland bei. Im Jahre 1782 wurde er zum General-Gouverneur von Moskau ernannt; am Stiftungstage des St. Wladimir-Ordenserhielt er die Insignien der 1. Classe desselben; er starb in Moskau im Jahre1784, 63 Jahre alt. Als Staatsmann zeichnete er sich durch Arbeitsamkeit,Rechtlichkeit und Scharfblick aus, begünstigte die Gelehrten und Künstlerund hatte, trotz seiner Strenge und seines stets finstern Wesens, ein gutes Herz,Hess den Verdiensten Anderer Gerechtigkeit widerfahren und sprach offenherzigin den Reichsberathungen seine Meinungen aus. In militäi ischer Hinsicht kannman von ihm sagen, dass er ein guter General und Kriegsadministrator war.Graf Peter Iwanowitsch Panin sagt in einem Briefe an Wiesin über Tschertschew: »er war Kriegsminister und General nicht im Felde«.
XXIII.Tottieben.
Graf Tottieben wurde in Deutschland geboren und begann seinen Militär-dienst in den Niederlanden. Zur Zeit der Kaiserin Elisabeth Petrowna wurdeer in den russischen Dienst als Generalmajor aufgenommen und zeichnete sichim siebenjährigen Kriege besonders als Befehlshaber abgesonderter, fliegenderoder Partisan-Detachements aus; für Auszeichnung bei Brezno in Polen imJahre 1759 wurde er mit dem St. Annenorden belohnt und kurz darauf bethei-ligte er sich an der Schlacht bei Kunnersdorf. Besondere Berühmtheit erwarber sich durch seinen Streifzug nach Berlin im Jahre 1760. Zuerst war er ge-zwungen, sich zurückzuziehen, dann aber zwang er selbst den General Rochowdie Stadt zu übergeben, nahm von dieser eine Contribution. zerstörte die Kriegs-einrichtungen und Niederlagen und zog sich bei Annäherung Friedrich's ILnach Frankfurt zurück. Die Kaiserin Elisabeth Petrowna belohnte ihn dafürmit dem St. Alexander-Newsky-Orden. Allein im Jahre 1763, unter Katha-rina IL, wurde er wegen schädlicher Absichten gegen das Reich dem Gerichteübergeben, seines Ranges und seiner Auszeichnungen für verlustig erklärt undaus Russland verbannt. Es ist jedoch nicht bekannt, wegen welcher schädlichenAbsichten er verbannt wurde, sowie es auch nicht bekannt ist, wo er bis zumJahre 1768 sich aufgehalten hat, in welchem er wieder unter den russischenTruppen, welche zur Bekämpfung der Bergvölker des Kaukasus operirten, auf-taucht; als Belohnung für seine dabei an den Tag gelegte Tapferkeit wurdeihm im Jahre 1769 verziehen. Sein weiteres Geschick und sein Tod sind un-bekannt.