XXII. Tschernitschew. 377
dieser Zeit an bis zu seinem Tode werden in den Beilagen zur Beschreibung derrussischen Kriege zu Katharina's II. Zeiten geschildert werden.
XXII.Tschernitschew.
Graf Sachar Gregoriewitsch Tschernitschew, der dritte Sohn des General-en-Chef Grafen Gregor Petrowitsch, wurde im Jahre 1722 geboren und trat sehrjung (13 Jahre alt) im Jahre 1735 in den Militärdienst. Im Jahre 1741 wurdeer zum Hauptmann befördert, 1742 der russischen Gesandtschaft in Wien zu-getheilt, und während seines Aufenthalts im Auslande vervollkommnete er sichin fremden Sprachen und bereicherte seine Kenntnisse.
Nach seiner Rückkehr nach Petersburg im Jahre 1744, zur Zeit der Ver-mählung des Thronfolgers Peter Fedorowitsch mit der Prinzessin von Anhalt-Zerbst (in der Folge Katharina II.), bat die Mutter Tschernitschew's die KaiserinElisabeth Petrowna, deren besondern Wohlwollens sie sich erfreute, ihren Sohnzum Kammerjunker des Thronfolgers zu ernennen, bei welcher Gelegenheit erzum Oberst befördert wurde. Der Thronfolger, dessen Neigung sich Tscherni-tschew erworben hatte, sandte ihn in der Eigenschaft eines Ministers zur Fürsten-versammlung nach Frankfurt am Main, um dort seine Rechte als Herzog vonHolstein zu wahren, aber bald kehrte er zurück und wurde wegen Unzufrieden-heit der Kaiserin unter Belassung seines Ranges zur Armee versetzt (1748).Er betheiligte sich (in demselben Jahre 1748) am Feldzuge des Fürsten Repninam Rhein, befehligte nachher das St. Petersburgische Infanterieregiment undwurde im Jahre 1750 zum Generalmajor befördert. Im Jahre 1757, wo er sichpersönlich in der Armee Daun's befand, wohnte er der Schlacht bei Kolin bei;darauf in der russischen Armee stehend, welche gegen Friedrich II. operirte,wurde er im Anfange des Jahres 1758 zum Generallieutenant befördert underhielt den St. Alexander Newsky-Orden, in der Schlacht bei Zorndorf be-fehligte er die Grenadiere und im Jahre 1760 betheiligte er sich an der Expe-dition gegen Berlin. Nach seiner Thronbesteigung befahl ihm Peter III. imJahre 1761 mit einem Corps russischer Truppen sich an Friedrich II. auzu-schliessen, welcher ihm den schwarzen Adlerorden verlieh. Im Allgemeinen hat ersich im siebenjährigen Kriege, sowohl abgesonderte als nicht abgesonderte Theileder Armee befehligend, als ein guter General gezeigt. Katharina II. beförderteihn nach ihrer Thronbesteigung im Jahre 1762 zum General-en-Chef, ver-lieh ihm an ihrem Kröuungstage den St. Andreas-Orden, ernannte ihn im Jahre1763 zum Vicepräsidenten des Kriegscollegiums und im Jahre 1773, mit Be-förderung zum Generalfeldmarschall, zum Präsidenten desselben Collegiums.Die Zeit seiner Verwaltung des Kriegscollegiums (1763—1772) zeichnete sichaus durch Herausgabe von Etats, Bestimmungen, Instructionen u. s. w. für die