XIX. Soltikow. 371
Kriegsthaten ausgezeichnet, sondern wurde begünstigt und war bekannt — mehrals Höfling wie als General, und beschäftigte sich mehr mit der Jagd. Im Jahre1759, als die Kaiserin Elisabeth PetrownaFermor seiner Bitte gemäss vom Ober-befehl der Armee enthob, ihn aber in derselben beliess, vertraute sie den Oberbefehlüber diese Soltikow an, welcher auf diese Weise vom Untergebenen Fermor'szu dessen Vorgesetzten wurde, Fermor dagegen vom Vorgesetzten zum Unter-gebenen. Soltikow marschirte mit der Armee von der Warthe zur Oder, indem erdem Feinde und dem Kampfe mit ihm auswich, um sich nicht zu schwächen,sondern durch Verbündete zu verstärken. Aber von dem preussischen GeneralWedel bei Palzig in der Nähe von Züllichau angegriffen, schlug er ihn, brachteihm grosse Verluste bei, nahm Frankfurt ein und vereinigte sich dort mit demösterreichischen Corps Laudon. In der darauffolgenden Schlacht bei Kunners-dorf wurde ihm die Ehre zu Theil Friedrich selbst zu besiegen, wofür er zumGeneral-Feldmarschall befördert wurde. Das Wiener Cabinet, seine eigene Armeeschonend, suchte Soltikow zu bewegen seine Offensivoperationen und Erfolgefortzusetzen; aber Soltikow, nicht geneigt, allein, ohne Unterstützung Daun's zuoperiren, forderte — im eigenen Interesse Oesterreichs, dass Daun seinerseitsoffensiv vorgehen möchte, und drohte im entgegengesetzten Falle, sich nachPosen zurückzuziehen. Daraus entstanden unter ihnen Zwistigkeiten, die nochdadurch vergrössert wurden, dass Daun sein Versprechen nicht hielt, die russischeArmee mit Proviant zu versorgen. Alles dies rettete Friedrich und gewährteihm Zeit, sich zu erholen, und dem Prinzen Heinrich die Möglichkeit, Daunzur Räumung der Lausitz zu zwingen , und die Communicationeu zwischen ihmund Soltikow zu unterbrechen. Der Letztere zog sich aus Aerger hinter die Oderzurück, marschirte aber auf Befehl seines Hofes wieder nach Breslau und branntedie Stadt Herrnstadt, welche Widerstand leistete, nieder. Als er aber erfuhr,dass Daun sich nach Böhmen zurückgezogen hatte, entfernte er sich ganz nachPolen, bezog Winterquartiere und begab sich nach Petersburg. Hier wurdeer von der Kaiserin sehr gnädig empfangen und unterbreitete ihr seinen Feld-zugsplan für das Jahr 1760, indem er sie überredete, sich vom Bündnisse mitOesterreich loszusagen, Danzig zu unterwerfen und den Krieg nach Pommernzu verlegen. Aber die Kaiserin befahl Soltikow, auf Ansuchen des WienerCabinets, die Kriegsoperationen in Schlesien zu eröffnen. Ihrem Willen gegenseine Ueberzeugung nachkommend, marschirte Soltikow nach Breslau, dasvon Laudon belagert wurde, aber bei seiner Ankunft fand er dort, anstattLaudon, der die Belagerung aufgehoben und sich zurückgezogen hatte, denPrinzen Heinrich vor. Ohne Proviant und ohne Möglichkeit sich mit denOesterreichern zu vereinigen, blieb Soltikow auf dem rechten Oderufer. AlsDaun sich auch zurückzog und die russische Armee durch Ueberfall seitensFriedrich's und des Prinzen Heinrich bedroht wurde, ging Soltikow von derOder zurück. Nun hatte er kein Vertrauen mehr zu Daun, traf indess mit ihmeine schriftliche Abmachung über die Operationen, aber schon auf dem Marsche
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