Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
369
Einzelbild herunterladen
 

XVIII. Fermor. 369

kommen wäre, unterliegen können; für diese Heldenthat wurde er zum General-major befördert. Im Jahre 1738 befehligte er die Avantgarde der ArmeeMiinnioh's und zeichnete sich von Neuem durch Tapferkeit in der Schlacht beiStarutschany im Jahre 1739 aus. Im Jahre 1741 betheiligte er sich an den Kriegs-operationen Lascy's gegen die Schweden und für die Eroberung von Wilman-strand erhielt er den Alexander Newsky- Orden. Aber seine wichtigstenKriegsoperationen vollbrachte er im siebenjährigen Kriege, zuerst im Jahre 1757,im Range eines General-en-Chef in der Armee Apraxin's, als er Memel be-lagerte und eroberte, und später trug er zum Siege bei Gross-Jägerndorf bei.Nach der Abberufung Apraxin's übernahm er, als Aeltester, den Oberbefehl überdessen Armee und besetzte mit dieser 1758 Königsberg und ganz Ostpreussen,belagerte aber ohne Erfolg Danzig. Die Kaiserin Elisabeth Petrowna ernannteihn zum General-Gouverneur von Ostpreussen und Maria Theresia erhob ihn inden Grafenstaud. Sich nach dem Operationsplan der Oesterreicher richtend,beschloss er die Ufer der Warthe zu erobern, um von dort nach Schlesien zumarschiren; er wollte Küstriri durch Bombardement nehmen, um dort Magazineanzulegen; aber es gelang ihm nicht. Nach Ankunft Friedlich's mit der Armeewar er gezwungen die Belagerung von Küstrin aufzuheben und stellte sich in derNähe desselben bei Zorndorf auf; dort von Friedrich angegriffen, vertheidigteer sich tapfer und standhaft gegen ihn während der lang anhaltenden Schlacht,deren Sieg sich beide Seiten zuschrieben. Fermor behauptete das Schlachtfeld,obgleich er grossen Verlust erlitt, und erst am dritten Tage zog er sich in Ord-nung zurück. Friedrich, der ebenfalls grossen Verlust erlitten und den bestenTheil seiner Infanterie eingebiisst hatte, ging nach Küstrin. Retzow sagt inseinen Memoiren über den siebenjährigen Krieg, dass »weder die ausgezeichneteTapferkeit der preussischen Truppen, noch ihre geschickten Bewegungen undOperationen über die russischen Truppen triumphiren konnten, welche mitstarker Brust das Schlachtfeld vertheidigten, sich auf allen Punkten wider-setzten und mit unglaublicher Kaltblütigkeit den Tod einer schmachvollen Fluchtvorzogen. Nach dieser'Schlacht sagte Friedrich, dass diese Leute leichter zutödten, als zu besiegen seien, und seit dieser Zeit bekam er eine bessere Mei-nung von den russischen Truppen und eine grössere Achtung vor denselben«.Nach der Schlacht ging Fermor nach Stargard und von dort hinter die Weichselauf Winterquartiere, und für die Schlacht bei Zorndorf erhielt er den St. An-dreasorden. Im Jahre 1759 wurde er, seiner eigenen Bitte gemäss, vom Com-mando über die Armee enthoben, blieb aber in derselben, um, wie er sagte, demVaterlande nützen zu können, und stellte sich unter den Befehl des neuenObercommandirenden, Feldmarschalls Grafen Soltikow, welcher selbst bis dahinunter ihm gestanden hatte. Im Jahre 1759 befehligte Fermor in der Schlachtbei Kunnersdorf den rechten Flügel und erwarb sich für seine an den Tag ge-legte Tapferkeit den Beifall Soltikow's. Später, während der Krankheit desLetzteren, befehligte er statt seiner die Armee und fuhr fort mit ihr von Frank-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 111,3. 24