368 Beilagen.
von den Anführern der Truppen eine zwiefache Geschicklichkeit gefordertwerde, nämlich: dass sie zu siegen verständen, und noch mehr, dass sie es ver-ständen, ihre Siege auszunutzen, und diese nicht umsonst verloren gehen Hessen.Was aber unsere Anführer betrifft, so scheint es mir, dass sie keine dieser Ge-schicklichkeiten besassen. Sie verstanden weder zu siegen, noch die Siege zubenutzen. Gott schenkte uns einen zufälligen Sieg, und mir scheint es, ohnejeglichen Vorbedacht und Antheil unsererseits, und diesen auszunutzen kamuns nicht einmal in den Sinn. Weder verstanden noch wollten wir es. Damalswar in der Armee das Gerücht verbreitet, dass Viele vorgeschlagen hätten, denFeind zu verfolgen und sich zu bemühen, ihn gänzlich zu vernichten; auch dassman dem Feldmarschall gerathen hätte, mit der ganzen Armee dem fliehendenFeinde ohne die geringste Zögerung zu folgen. Aber Herrn Lieven*), vondessen Rath am meisten abhing, und dem, wie wir später erfuhren, auch dasunangenehm war, dass es uns zufällig gelungen war, den Feind zu besiegen,soll bei dieser Gelegenheit geäussert haben: »»an einem Tage sind nicht zweiFeiertage; auch schon genug, dass wir gesiegt haben««. Und da seine Aus-sprüche für Orakelsprüche galten, so wurde in Folge dessen der Feind nichtverfolgt. Man Hess diesem Zeit, sich von uns weiter zu entfernen, und hin-derte ihn nicht, nach Belieben seine Kräfte wieder zu sammeln. Untersolchen Umständen waren unsere Feinde in der That noch sehr dumm, dass sienicht zurückkehrten und uns von Neuem angriffen: sie wären im Stande ge-wesen uns mit unserer guten Einrichtung noch gänzlich zu schlagen. Auf dieseWeise entkam uns der Feind und wir blieben auf dem Platze stehen, wo wiruns nach der Schlacht aufgestellt hatten, und ohne einen Schritt vorwärts zuthun, wurde der Train heranbefohlen und ein Lager aufgeschlagen.«
XVIII.
Ferior.
Wilhelm (auf russisch Willim Willimowitsch) Fermor begann seine kriege-rische Laufbahn unter dem Befehle Münnich's, zur Zeit der Kaiserin AnnaIwanowna, war bei ihm Adjutant und dann General- (oder älterer) Adjutant;für seine im Krimfeldzuge 1736 bewährte Tapferkeit zum Oberst befördert, be-theiligte er sich an der Eroberung von Oczakow; im Jahre 1737, als stellver-tretender Generalquartiermeister der Armee Münnich's, wurde er mit einer350 Mann starken Beiterabtheilung, die er bei sich hatte, von einigen tausendTürken und Tataren umzingelt; er liess aber seine Reiter absitzen, formirte einCarre und schlug den Feind zurück, hätte indess, wenn nicht baldige Hilfe ge-
*) Generallieutenant, ein grosser, Verehrer, Friedrich's [und die | rechte HandApraxin's.