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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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XVII. Apraxin. 367

richten am 26. August 1758, nach andern 1760 am Schlage in Folge des Ver-hörs und des Gerichtsverfahrens. Als bestes officielles Material zur Beleuchtungder Handlungen Apraxiu's in Preussen müssen die Antworten des General-quartiermeisters seiner Armee, des Generalmajors Weimaru, auf die Fragepunkteder Untersuchungscommission erachtet werden. Sie wurden in die NeuenNordischen Miscellen, von A. W. Hupel, Riga 1794, aufgenommen. Die Zeit-genossen Apraxin s schildern ihn als einen Mann von guter Bildung und vonschönen Eigenschaften der Seele, undMiinnich sägt über Apraxin in seiner schrift-lichen, zur Zeit der Kaiserin Anna Iwanowna verfassten Eingabe über die Ge-neräle, welche unter seinem Befehle im Kriege gegen die Türken gedient haben,»er ist jung, von starker Körperbeschaffenheit und gesund, dient mitFleiss undlässt hoffen, dass er ein tüchtiger und tapferer General werden wird«. Aber dieBildung des damaligen höhern Adels war eine sehr oberflächliche, weltliche;das missgünstige Verfahren Apraxin's gegen den würdigen Keith (s. oben) undbesonders sein Urtheil über L'Estocq, sprechen nicht zu seinen Gunsten; unterdem Befehle Münnich's war er noch jung und in nicht sehr wichtigen Aemternund Würden, und dabei war ihm Münnich wohlwollend gesinnt; aus der obenerwähnten Dienstzeit Apraxin's ist ersichtlich, dass er sich im Kriege nur 2'/ 2Jahre, und zwar gegen die Türken befunden hat; schliesslich kann man ausden vor Kurzem erschienenen Memoiren Bolotow's (der im Jahre 1757 Seconde-lieutenant und Compagniechef im Infanterieregiment Archangelogorod , im Be-stände der Armee Apraxin's, war) sehen, was für ein Feldherr Apraxin war undwie seine Anordnungen und Operationen im Feldzuge und in der Schlacht beiGross-Jägerndorf waren. Die Nachrichten darüber, welche in den MemoirenBolotow's enthalten sind, sind bei der Schilderung dieses Feldzuges und dieserSchlacht in Erwägung gezogen. Hier aber wollen wir den Wortlaut Bolotow'sin der Schlussfolgerung desselben anführen, der dadurch bemerkenswerth ist,dass er der Widerhall der Meinung der ganzen Armee war.

» Dem Himmel war es gefällig« sagt Bolotow - » uns einen vollständi-gen Sieg über den Feind zu verleihen, und wir konnten nicht genug dem Him-mel dafür dankbar sein, besonders nachdem wir erfahren hatten, in welcherGefahr die ganze Armee schwebte, und wie wenig dazu gehörte, um diese gänz-lich zu schlagen und uns auf ewig mit Schimpf und Schande zu bedecken, dassfast nur eine Handvoll Preussen im Stande gewesen wäre, eine so zahlreicheArmee, wie die unsrige, zu schlagen. Und in der That, wenn man alles erwägt,so wurde dieser Sieg nicht durch die Geschicklichkeit unserer Feldherren, anwelche nicht im Mindesten zu denken war, sondern durch die ausgezeichneteTapferkeit unserer Truppen oder am meisten durch das besondere Geschickerrungen, welches alle Umstände so gestaltete, dass selbst die Tapferkeit unsererKrieger schon eine gezwungene war und sie nolens volens sich bis auf den letztenBlutstropfen schlagen mussten, weil sie weder die Flucht ergreifen, noch sichirgend wohin zurückziehen konnten. « Weiter fügt er hinzu : »Man sagt, dass