356 Beilagen.
Unthätigkeit und überliess es der russischen und Reichsarmee, gegen Fried-rich zu operiren, aber endlich trat er aus seiner Unthätigkeit heraus undbeschloss den Feldzug durch Gefangennahme des Corps Fink bei Maxen. ImJahre 1760 beobachtete Daun aus seinem befestigten Lager bei Pirna Fried-rich, und als Laudon Friedrich nach Schlesien gelockt hatte, marschirte Daundiesem nach, überholte ihn, ging aber später wieder zurück und marschirte nachdem von Friedrich belagerten Dresden, wiewohl er ihn nur in nächster Nähebeobachtete. Als aber Friedrich die Belagerung aufhob und nach Schlesien mar-schirte, folgte ihm Daun nach. Von Feinden umzingelt im Lager bei Bunzel-witz, rettete sich Friedrich durch die Niederlage Laudon's bei Liegnitz, konnteaber die Vereinigung Lascy's mit den russischen Truppen, zum Angriffe aufBerlin, nicht verhindern und marschirte zur Spree und dann zur Elbe. Nunging Daun über die Elbe und stellte sich bei Torgau auf, wurde aber dort vonFriedrich geschlagen, selbst schwer verwundet und begab sich nach Wien zurHeilung seiner Wunde. Hier besuchten ihn wiederholt Maria Theresia und ihrSohn, der nachmalige Kaiser Joseph IL, und wohnten bei ihm den Kriegs-berathungen bei. Endlich in den Jahren 1761—1762 beschränkte sich Dannnur auf die Beobachtung Friedrich's und seiner befestigten Position am Zobten-berg, indem Friedrich vergebens darnach trachtete, Daun zu verdrängen,dieser aber seinerseits nicht die Eroberung von Schweidnitz durch Friedrichverhindern konnte. Auf diese Weise zeigte Daun im Allgemeinen im sieben-jährigen Kriege eine Aehnlichkeit mit dem Dictator Fabius Cunctator und dennachfolgenden römischen Feldherren im zweiten punischen Kriege gegen Hanni-bal in Italien und operirte nach den Begriffen einiger Militärpersonen sehr ge-schickt und besonders klug und vorsichtig. Aber, nach richtigeren BegriffenAnderer, legte er dieselben Mängel wie die römischen Feldherren gegen Hannibalan den Tag, nämlich ; anstatt gleichzeitiger und entschlossener Offensivoperatio-nen gegen Friedrich, zusammen mit der russischen, deutschen und französi-schen Armee, wodurch er leicht und schnell Friedrich hätte erdrücken können,zog er den Krieg ganze fünf Jahre lang hin durch abgesonderte, nicht zusam-menhängende, langsame und unentschlossene Operationen, die hauptsächlichden Charakter des Manövrirens mit Benutzung der Oertlichkeit trugen — eineKriegführungsart, die damals, sowie früher und später, von den Generälen derösterreichischen Armee sehr geschätzt und beliebt war. Und daher wurde Daunin dieser Armee und in diesem Sinne für sehr geschickt und besonders füreinen gelehrten Feldherrn gehalten, aber im wahren Sinne stand er nicht überdem Niveau der Mittelmässigkeit und wurde von unverdientem Ruhme nurdeshalb beschienen, weil er der Hauptgegner eines so grossen Feldherrn wieFriedrich's war. Noch muss hinzugefügt werden, dass seine Zwistigkeiten mitSoltikow und den russischen Generälen, indem man diese rechtfertigt, ihnnicht rechtfertigen, da er augenscheinlich wünschte, dass zu Gunsten Oester-reichs gegen Friedrich hauptsächlich die verbündeten Armeen und nicht die