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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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XI. Herzog Karl von Lothringen. 353

übrigen. Im Jahre 1768 wurde Seydlitz zum General der Cavallerie befördert,aber dieses änderte seine Beschäftigungen nicht und er fuhr fort, sich wiefrüher, mit der Vervollkommnung der Reiterei, seiner Inspection überhaupt undseines Regiments speciell, zu beschäftigen.

Aber übermässige Anstrengungen und Mühen im Laufe seines ganzenLebens, besonders in den Feldzügen hatten die Gesundheit Seydlitz's mehr undmehr geschwächt und er starb am 7. November 1773, im 53. Lebensjahre, angänzlicher Entkräftung. Friedrich ehrte sein Andenken, indem er allen Stabs-offizieren der Inspection Seydlitz's auf 14 Tage Trauer anzulegen befahl undihm in Berlin auf dem Wilhelmsplatze ein Denkmal aus carrarischem Marmor,ihn darstellend, von Tassaert angefertigt, setzen Hess. Auf der Stelle, wo seinLeichnam beerdigt wurde, im Garten seines Gutes Minkowski, in der Nähe vonNamslau in Schlesien, wurde ihm ein bescheidenes, mit Lorbeer und Eichen-kränzen verziertes Denkmal gesetzt.

Die besten Biographien über ihn sind von Blankenburg, Graf Bismarck undVarnhagen von Ense verfasst.

Oesterreichische Generäle.

XI.Herzog Karl von Lothringen.

Von den Gegnern Friedrich's II. österreichischerseits verdienen besondererBeachtung der Herzog Karl von Lothringen, Daun, Nadasdy, Haddik, Laudonund Lascy.

Der Herzog Karl von Lothringen und Bar wurde im Jahre 1713 geborenund war der Bruder des Kaisers Franz I., des Gemahls Maria Theresia's.Von seiner frühesten Jugend an widmete er sich dem Militärstande und nachdemer noch sehr jung ein unabhängiges Militärcommando erreicht hatte, legte er Be-weise seiner kriegerischen Begabung, grossen Scharfblickes und richtiger An-schauungsweise, ohne von feuriger Kühnheit hingerissen zu werden, an denTag. Maria Theresia ernannte bei ihrer Thronbesteigung den 27jährigenHerzog Karl zum Feldmarschall und vertraute ihm im Jahre 1742 den Ober-befehl in Böhmen an. Nicht ohne Geschick und Glück operirte er gegen Fried-rich IL, und wenn er auch die Schlacht bei Czaslau verlor, so belagerte erdafür Prag. Mit grösserem Glücke operirte er gegen die Baiern und Fran-zosen, schlug sie bei Braunau und unterwarf ganz Baiern. Noch im Jahre 1743war er bemüht, auf das linke Rheinufer überzugehen, vermochte dies abererst im Jahre 1744 zu bewerkstelligen und hätte wahrscheinlich grosse Er-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. HI, 3. 23