X. Seydlitz. 35t
verbreiten, ernannte er ihn zum Coruniandeur eines Dragoner- und dann einesKürassierregiments. Bald wurde in diesen beiden Regimentern weit mehr Be-weglichkeit, Schnelligkeit und Vollkommenheit sichtbar, als in den übrigen.Die anderen Regimentscommandeure waren bemüht, Seydlitz nachzuahmen undauf diese Weise wurde er, zusammen mit Ziethen, Verbesserer oder viel-mehr Gründer einer ausgezeichneten Reiterei in der Armee Friedrich's.
Im siebenjährigen Kriege hatte Seydlitz mehrfache Gelegenheit, sich aus-zuzeichnen und mit der von ihm befehligten Reiterei grossen Nutzen zu bringen.Im Jahre 1757 stand er im Corps des Fürsten Moritz. In der Schlacht beiKolin befehligte er schon 25 Schwadronen, mit welchen er den Angriff Ziethen'sgegen die rechte Flanke der Oesterreicher unterstützen sollte. Als die preus-sische Armee gezwungen war, sich zurückzuziehen, warf sich Seydlitz auseigenem Antriebe mit 10 Escadronen auf die Oesterreicher, brachte ihre ersteLinie in Unordnung, warf ein Regiment der zweiten, eroberte die Standartedesselben und deckte darauf den Rückzug, indem er die Verfolgung des Feindeszurückhielt. Dafür wurde er zum Generalmajor befördert. Später, als diepreussische Armee sich aus Böhmen über Zittau nach der Lausitz zurückzogund die Oesterreicher ihr fast zuvorgekommen wären, schlug sich Seydlitzdurch die Letzteren, täuschte sie, überfiel sie unerwartet und brachte ihnenziemlich grosse Verluste bei.
Aber bald darauf wurde Seydlitz besonders berühmt durch seine Opera-tionen gegen die Franzosen in Sachsen. Friedrich, der ihm grosses Ver-trauen schenkte, sandte ihn mit 15 Escadronen vor sich her zum Elster-flusse, um die Franzosen zurückzuhalten. Seydlitz Hess 160 Husaren absitzenund erzwang sich den Uebergang über die Elster bei Pegau, griff diese Stadtan, warf die Franzosen und drängte sie sogar bis Erfurt und Gotha zurück.Beim Anmärsche der französischen Hauptmacht zog sich Seydlitz zurück, abernachdem er sich mit einem Dragonerregimente vereinigt hatte, rückte er vonNeuem gegen Gotha vor und brachte durch sein plötzliches Erscheinen vordieser Stadt unter den französischen Truppen so grossen Lärm hervor, dassdiese in Unordnung sich nach Eisenach zurückzogen und ihren Train, grössten-theils Generals- und Officierswagen, zurückliessen. Alle diese kühnen Opera-tionen Seydlitz's erleichterten die Lage Friedrich's, der Seydlitz nachfolgte.Schliesslich trafen beide Armeen bei Rossbach zusammen und hier war Seydlitz,dem Friedrich (die älteren Generäle übergehend) den Oberbefehl über dieganze Reiterei anvertraut hatte, der Haupturheber des Sieges, bedeckte sichmit Ruhm und wurde mit dem schwarzen Adlerorden decorirt und zum General-lieutenant befördert. Aber in dieser Schlacht wurde er gefährlich verwundetund war genöthigt, sich vier Monate in Leipzig heilen zu lassen. Seine Ge-nesung ging langsam vor sich, und hauptsächlich war ihm das Reiten verboten.Am Anfange des Jahres 1758 jedoch erschien Seydlitz aufs Neue in der Armee,welche Olmütz blockirte und bei ihrem Marsche aus Mähren über Böhmen nach