X. Seydlitz. 349
dem Wilhelmsplatze seine Marmorbildsäule errichten; letztere eine schöneArbeit von Schadow.
Der älteste, im Jahre 1765 geborene Sohn Ziethen's diente bei den Hu-saren bis zum Range eines Rittmeisters, nahm als Major seinen Abschied undlebte auf seinem Gute Wustrow. Der jüngere Sohn starb frühe.
Generallieutenant Graf von Ziethen, welcher im Jahre 1806 bei den Dra-gonern diente und sich besonders im Kriege 1813 —1815 auszeichnete, warein Vetter der Söhne Ziethen's.
Ziethen war von kleinem Wüchse, von schwächlicher und zarter Consti-tution. Sein Gesicht war nicht besonders schön, aber auf demselben spiegeltesich Charakterfestigkeit und in seinen grossen blauen Augen Gutherzigkeitwieder. Zu Fuss oder zu Pferde zeichnete sich Ziethen durch Leichtigkeit undAnmuth der Bewegungen aus. In seiner Kleidung beobachtete er stets diegrösste Sorgfalt und war sogar im hohen Alter vom Morgen bis Abend immerin Uniform. Er war nicht redselig, aber in wenigen kurzen Worten drückte erviel aus und seine Antworten waren genau und bestimmt.
X.Seydlitz.
Friedrich Wilhelm von Seydlitz wurde am 3. Februar 1721 im HerzogthumKleve, in der Stadt Kaikar geboren, wo sein Vater als Rittmeister im Dragoner-regimente Sonsfeld diente. Von seiner Kindheit an zum Dienste in der Reitereibestimmt, erhielt er eine dem entsprechende Erziehung. Schon im siebentenLebensjahre war er auf dem Pferde, betheiligte sich mit Erwachsenen an Wett-rennen und verachtete jede Gefahr. Als sein Vater eine Escadron im Kürassier-regimente des Markgrafen von Schwedt erhielt, lenkte der junge Seydlitz dieAufmerksamkeit des Letzteren auf sich, und einige Jahre später, nach dem Todeseines Vaters, wurde er Page beim Markgrafen. Von der Zeit an beständig inder Umgebung des Markgrafen, musste er dessen Lebensweise und alle seinehöchst rauhen Vergnügungen theilen, nicht nur die wildesten Pferde bändigen,sondern auch Hirsche im Parke des Markgrafen einfahren, zu Pferde durchsich drehende Windmühlenflügel sprengen u. dgl. m. Alles dieses gefiel Seyd-litz und er wurde in vier Jahren, im Alter von 12—16 Jahren, mit diesen ge-fährlichen Uebungen so vertraut, dass er sie liebgewann und in ihnen ausser-ordentliche Fertigkeit erlangte, die ihm für sein ganzes Leben blieb. Endlichwurde er, 17 Jahre alt, als Cornet in des Herzogs Kürassierregiment, das damalssich in Pommern befand, eingereiht. Aber der Commandeur dieses Regiments,Oberst Rochow, der in Seydlitz gleichsam seinen Vorgesetzten sah, wollte ihmschaden, öffnete ihm jedoch statt dessen wider Willen den Weg zur Auszeichnungim ersten schlesischen Kriege. Im Jahre 1742 hatte er mit seinem Regimente