348 Beilagen.
Im Frühjahre 1761 befand sich Ziethen gegenüber der russischen Armeeund stand dann, nach Beendigung des Krieges gegen die Küssen, bei Friedrich,befehligte in dessen Abwesenheit die Armee, und wenn der König den Muthsinken Hess und zu verzagen begann , hatte nur der alte Ziethen die Gabe ihnzu ermuntern und zu begeistern.
Als der Krieg beendet war, genoss Ziethen nach 50jährigen schwerenHeimsuchungen jeglicher Art ein ruhiges glückliches Alter und verjüngte sichgeistig. Friedrich hegte für Ziethen bis zu dessen Tode, der seinem eigenenkurz vorherging, die zärtlichste, sich immer gleichbleibende Freundschaft. DieKaiserin Katharina II. und die Königin von Schweden übersandten an Ziethenihre mit Diamanten geschmückten Portraits und baten dagegen um das seinige,das sich bald darauf über ganz Europa verbreitete, weil Ziethen sich euro-päischen Kuf erworben hatte. Gleich nach Abschluss des Friedens begab sichZiethen zur Wiederherstellung seiner schwachen Gesundheit nach Karlsbad,wo Laudon, sein würdiger früherer Gegner, sein unzertrennlicher Gesellschafterwar und auf jegliche Weise bestrebt war ihm seinen Aufenthalt in Karlsbad an-genehm zu machen. Nachdem er hier seine Gesundheit wiederhergestellt unddann nach Berlin zurückgekehrt war, heirathete er Fräulein von Plateu, dieihn mit vier Kindern beschenkte, deren ältestes, einen im Jahre 1765 geborenenSohn, Friedrich selbst aus der Taufe hob und in der Wiege zum Cornet er-nannte.
Bald in Berlin, bald auf seinem Gute Wustrow lebend, trug Ziethen seineeigene Zufriedenheit, sein Glück und seine Freude auf seine ganze Um-gebung über. Er mied grosse Gesellschaften und fühlte sich beengt, wenn ersich in solchen befand; aber bei sich zu Hause war er der liebenswürdigsteWirth, und obgleich er seiner schwachen Gesundheit wegen strenge Massig-keit beobachten musste und beobachtete, so liebte er doch Lustbarkeiten, Gast-mähler und belebte diese durch seine Heiterkeit. Dann verwandelte sich dasrauhe Aeussere des alten Kriegers in die grösste Höflichkeit, weshalb er, selbstim hohen Alter noch, der Liebling der Damen war. Im Dienste war er streng,aber ein Feind von Pedantismus und Kleinlichkeiten, er forderte unbedingtenGehorsam und Achtung für seinen Stand, aber achtete auch ebenso die RechteAnderer. Trotz seiner schwächlichen Gesundheit ritt er feurige Bosse und warüberall zugegen, wo sich Friedrich öffentlich zeigte, welcher ihn immer herzlichempfing und in Berlin immer seinen alten Ziethen besuchte und bei allen Ge-legenheiten ihm vor Allen eine besondere Aufmerksamkeit und Achtung erwies.
Am 26. Januar 17S6, zu derselben Zeit, als Friedrich dem Tode nahean seiner Krankheit schwer darniederlag, starb Ziethen in Berlin still undruhig, S7 Jahre alt.
Seinem Wunsche gemäss wurde er in Wustrow beerdigt, und seine Familieerrichtete ihm dort ein Denkmal. Im Jahre 1790 liess ihm Prinz Heinrich einDenkmal in Rheinsberg und im Jahre 1794 Friedrich Wilhelm in Berlin auf