IX. Ziethen. 345
diesen Vorfall erfuhr, nahm er Partei für Ziethen und beförderte ihn zum Oberst-lieutenant für die schnellen Fortschritte, welche die Leibhusaren unter seinerLeitung gemacht hatten. Eine Woche später erhielt Winterfeldt den Befehlmit einigen Grenadierbataillonen und den 6 Escadronen Leibhusaren Ziethen'sdie Oesterreicher aus der Position bei Rothschloss, hinter einem Sumpfe, zuwerfen, welchen man nur auf einem schmalen, von der Artillerie bestrichenenDamm passiren kouute. Ziethen mit seinen Husaren durchritt in Carriere denDamm, warf den verblüfften Feind und machte fast seinen frühern LehrerBaronay zum Gefangenen. Diese Heldenthat Ziethen's bewog Wurm noch andemselben Tage von Neuem das Commando über die Leibhusaren zu über-nehmen. Aber er operirte so schlecht, dass er ohne Hilfe Ziethen's durchausverloren gewesen wäre. Als Friedrich davon Kunde erhielt, beförderte erZiethen zum Oberst, decorirte ihn mit dem Orden pour le merite und ernannteihn, anstatt Wurm, zum Commandern - der Leibhusaren, die bereits ein Regi-ment von 10 Schwadronen bildeten, welches als Muster für alle damals neu zuformirenden Husarenregimenter diente. Ziethen war im wahren Sinne desWortes der Schöpfer derselben und machte aus ihnen gefürchtete Gegner fürden Feind. Schon im Jahre 1742 wurden der Avantgarde immer Husaren bei-gegeben, welche die kühnsten Streifzüge ausführten. So z. B. als Schwerin,nach der Eroberung von Olmütz nach Brunn marschirte, machte Ziethen mitseinen Leibhusaren Streifzüge bis in die Umgegend von Wien ! Und etwas später,als der Prinz Dietrich von Anhalt der ungarischen Insurrection gegenüber-stand, legte Ziethen mit seinen Husaren eine ungewöhnliche Thätigkeit anden Tag und deckte mit ihnen den Kückzng des Prinzen nach Oberschlesien.Nach Abschluss des Friedens zu Breslau kehrte Ziethen mit Kuhm bedecktnach Preussen zurück, aber nicht im Geringsten bereichert auf seinen Streif-zügen, wodurch er seine ungewöhnliche Uueigennützigkeit bewies. Während desFriedens widmete er sich ganz der Ausbildung und Vervollkommnung der preus-sischen Husaren und hatte darin vollen Erfolg. Sein edler Charakter äussertesich zu jener Zeit unter Anderem darin, dass er seinen früheren Dragoner-Rittmeister, der aus dem Dienst gejagt worden war, sein Hab und Gut verthanund sich um Hilfe an Ziethen, den er so schwer beleidigt, gewandt hatte, vomVerderben rettete. Bei Eröffnung des zweiten schlesischen Krieges war Ziethenso krank, dass man für sein Leben fürchtete; aber trotzdem führte er, kaumgenesen, seine Husaren wieder zu neuen Heldenthaten. Friedrich bestimmteihn in die Avantgarde, mit welcher er auch nach Böhmen vordrang, und alsAuszeichnung wurde er zum Generalmajor befördert. Durch Deckung desRückzuges der preussischen Truppen hinter die Elbe, mit 2 Husarenregimen-tern und 2 Bataillonen Grenadieren und einigen Geschützen, wobei er sich beiMoldau-Tein einen ganzen Tag über gegen 16,000 Mann Oesterreicher hielt,zeigte er sich dieser Belohnung würdig. Als dieses kleine Detachement Ziethen'szur Armee zurückkehrte, ritt Friedrich selbst ihm entgegen und führte es längs