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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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344 Beilagen.

Von kleinem Wüchse, schwachem Körperbau, ohne laute Stimme und haupt-sächlich weil er unbemittelt und ohne Schutz war, hatte er von seinen Kame-raden viele Sticheleien und Beleidigungen zu ertragen, welche ihn zu einigenDuellen veranlassten. Erst nach sieben Jahren, im Jahre 1720, wurde er zumOfficier befördert, aber dadurch wurde seine Lage nicht besser. Er wurde beimAvancement zum Lieutenant übergangen; er bat um Versetzung in ein anderesKegiment und erhielt seinen Abschied (1724). Sein Vater war bereits gestorben,seine Familie befand sich in Armuth und er entschloss sich persönlich denSchutz des Königs Friedrich Wilhelm I. zu erflehen. In Folge dessen wurdeer als Lieutenant in das Dragonerregiment Wuthenow aufgenommen und mitEifer widmete er sich dieser für ihn neuen Truppengattung. Aber auch hierwar sein Loos kein besseres. Sein Rittmeister, ein böser Mensch, beleidigteihn auf jede mögliche Weise. Zwei Jahre hielt es Ziethen aus, endlich forderteer seinen Rittmeister, wofür er ein Jahr Festungsstrafe zu erleiden hatte.Allein nach Ablauf des Jahres wurde Ziethen für neue Streitigkeiten und Thät-lichkeiten mit demselben Rittmeister, aus dem Regimente ausgeschlossen. DieObersten Buddenbrock und Flentz jedoch nahmen Antheil an ihm, und erbatenfür ihn die Anstellung als Lieutenant bei den Leibhusaren, und im Jahre 1731wurde er zum Rittmeister befördert. Im Jahre 1735 sandte ihn der König miteiner zusammengezogenen Husarenschwadron in die Armee des Prinzen Eugenan den Rhein, um die Führung des kleinen Krieges unter der Leitung des zujener Zeit bekannten österreichischen Parteigängers General Baronay zu er-lernen. Ziethen erwarb sich die Aufmerksamkeit und den Beifall des Letzternund avancirte auf dessen Empfehlung zum Major. Er verheirathete sich miteinem schönen, klugen und tugendhaften Mädchen Namens Jurgas, aber dasGeschick hörte noch nicht auf, ihn zu verfolgen. Der Commandeur der Leib-husaren , Oberstlieutenant Wurm, der früher in der Infanterie gedient hatteund nichts vom Reiterdienste verstand, dabei stolz, hartnäckig und böswilligwar, begann Ziethen feindselig zu behandeln. Einst entspann sich zwischenihnen ein so heftiger Streit, dass sie Säbel blank zogen und Wurm schwer undZiethen leicht verwundet wurde.

Zu dieser Zeit war Friedrich Wilhelm I. todtkrank und starb bald darauf,daher hatte der Streit zwischen Wurm und Ziethen keine schlimmen Folgen fürZiethen, aber Wurm hasste ihn, suchte eine Gelegenheit sich an ihm zu rächenund fand eine solche gleich nach Beginn des ersten schlesischen Krieges. Ineiner Attake, die er Ziethen auszuführen aufgetragen, sandte er ihm die ver-sprochene Verstärkung nicht, sondern zog sich sogar zurück, wodurch erZiethen der Gefahr aussetzte mit seiner ganzen Schwadron vernichtet zu werden.Aber Ziethen rettete seine Schwadron durch seltene Geistesgegenwart und Furcht-losigkeit und überhäufte Wurm nach seiner Rückkehr mit Vorwürfen. Wurmantwortete mit Säbelhieben, aber Ziethen verwundete ihn am Kopfe und über-nahm zeitweilig an seiner Stelle den Befehl über die Leibhusaren. Als Friedrich