VIII. Winterfeldt. IX. Ziethen. 343
als die Absichten der Gegner Preussens keinem Zweifel mehr unterlagen,drang er bei Friedrich darauf, der Gefahr durch Offensivoperationen vorzu-beugen. Seine Meinung gewann die Oberhand über die entgegengesetzte Mei-nung anderer Generäle, um so mehr, da Friedrich selbst mit ihm einer Meinungwar. Aber dies zog Winterfeldt den ungerechten Vorwurf grosser Leiden-schaftlichkeit und Ehrsucht zu. Kurz vor Beginn des Krieges wurde er zumGenerallieutenant befördert und mit dem schwarzen Adlerorden decorirt. AlsFriedrich die sächsischen Truppen im Lager bei Pirna umzingelte, sandte erWinterfeldt zum Kurfürsten Friedrich August IL von Sachsen, um diesen zubewegen, vom Bündnisse mit Oesterreich abzustehen, worin er jedoch keinenErfolg hatte. In der Schlacht bei Prag befehligte er eine Division auf demlinken Flügel und wurde am Halse verwundet, und später stand er in derArmee des Prinzen August Wilhelm von Preussen. Für die Fehler, welche derPrinz bei Gabel und Zittau begangen, zog sich Letzterer nebst seinen Generälen,mit Ausnahme Winterfeidt's, die Unzufriedenheit Friedrich's zu, welcher daraufWinterfeldt zur Armee des Herzogs von Bevern versetzte und sogar persönlichihm diese Armee anvertraute. Der Herzog von Bevern stellte sich hierauf beiLandskrone in der Nähe von Görlitz auf und Winterfeldt auf der andern Seiteder Neisse, mit der rechten Flanke zur Moys, den Holzberg mit zwei Grenadier-bataillonen besetzend. Hier wurde Winterfeldt am 7. September früh morgensvon 66 Bataillonen und 70 Escadronen Oesterreicher angegriffen ; die zwei Gre-nadierbataillone auf dem Holzberge waren nach heftigster Gegenwehr gezwun-gen, sich zurückzuziehen. Vergebens bat Winterfeldt den Herzog von Bevernihn zu unterstützen; er marschirte selbst mit einer Brigade zum bedrohtestenPunkte, wurde aber dabei verwundet und zwar durch die Brust geschossen undstarb am folgenden Tage. Friedrich, der ihn immer sehr geliebt und ihm ganzvertraut hatte, war durch seinen Tod tief erschüttert, den er als grössten Ver-lust für sich und für die preussische Armee erachtete; er errichtete ihm einDenkmal aus Marmor, seine Person darstellend, in Berlin auf dem Wilhelms-platze und erwähnt seiner mit besonderem Lobe in seinen Memoiren.
IX.Ziethen.
Hans Joachim von Ziethen wurde am 18. Mai 1699 in Wustrow, in derGrafschaft Kuppin, auf dem Erbgute seiner Familie geboren. Sein Vater, einunbemittelter Gutsbesitzer, konnte ihm keine gehörige Erziehung und Bildunggeben, so dass er fast ganz ohne diese heranwuchs. Als ihm aber späterein Erzieher gegeben wurde, war die getroffene Wahl eine so schlechte,dass der Zögling selbst die Aufmerksamkeit seiner Eltern darauf lenkte. Im14. Lebensjahre trat er als Unterfähndrich in das Infanterieregiment Schwendy.