III. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. 335
Gerichtes über den Kronprinzen Friedrich zu mildern, sowie im Feldzugedes Jahres 1734 in Deutschland, in -welchem er den letztern begleitete, er-warb sich Fürst Leopold dessen Zuneigung. Er hatte jedoch nach der Thron-besteigung Friedrich's II. , wenn er auch seinen Rang beibehielt und in seinenAemtern verblieb, nicht mehr den frühern Einfluss. In der Armee wurdeeine mildere Behandlung der Untergebenen eingeführt, der Feind des FürstenLeopold, Schwerin, zum Feldmarschall befördert, und beim Beginne des erstenschlesischen Krieges erhielt Fürst Leopold gar keinen Befehlshaberposten überdie Truppen. Alles dieses verstimmte und beleidigte ihn. Aber endlichbefehligte er im Jahre 1742 die Truppen in Oberschlesien, und auf demSchlachtfelde bei Czaslau wurde er durch die Ernennung seines Sohnes LeopoldMaximilian zum Feldmarschall erfreut. Im Jahre 1744 beauftragte ihn Fried-rich, mit 17,000 Mann Berlin zu decken, und als dieser sich aus Böhmen nachSchlesien zurückzog, berief er ihn nach Schweidnitz und vertraute ihm denOberbefehl über die Armee während seiner Abwesenheit an. Fürst Leopoldsäuberte Schlesien vom Feinde und übergab im März 1745 den Oberbefehlan Friedrich. Im November desselben Jahres erhielt er den Befehl in Sachseneinzudringen, erfüllte dieses aber nicht schnell genug für den ungeduldigenFriedrich, von dem er dafür einige Verweise erhielt. Jedoch von ihm verstärktgriff er die österreichisch-sächsische Armee bei Kesselsdorf an und schlug sie,wobei er persönlich auf den gefährlichsten Stellen zu finden war, und Friedrichüberschüttete ihn mit Lob für seine musterhafte Disposition zu dieser Schlacht,für die Ausführung derselben und schenkte ihm 50,000 Thaler. Die Folge diesesSieges war der Friede zu Dresden, und mit dieser Heldenthat beschloss FürstLeopold seine kriegerische Laufbahn: darauf beschäftigte er sich wieder mitder Verwaltung seines Fürstenthums und starb am 7. April 1747 am Schlag-flusse, im 71. Lebensjahre.
Mehr als 50 Jahre hat er im Kriege preussische Truppen befehligt undsie fast immer zum Siege geführt, an 22 Schlachten und an 27 Belagerungenhat er Theil genommen und ist nur ein Mal leicht verwundet worden.
Er gehörte unstreitig zu den bemerkenswerthesten Militärpersonen seinesJahrhunderts, vereinigte aber in sich die schönsten Eigenschaften des Geistes undder Seele mit den grössten Schwächen. Friedrich II. schildert ihn folgender-massen : »Das Temperament Anhalts war fest und zugleich hitzig; im Kriegevereinigte er mit der glänzendsten Tapferkeit Erfahrung, die er erlangt hatte inden berühmtesten Feldzügen des Prinzen Eugen. Er war ein glücklicher Krieger,aber ein schlechter Bürger, und er wäre zu den Unternehmungen eines Mariusund Sulla fähig gewesen, wenn sich seinem Ehrgeize dazu günstige Gelegenheitgeboten hätte.« — Selbst das Aeussere des Fürsten Leopold war ungewöhnlich:der hohe Wuchs, das finstere, strenge Gesicht, der ungemein grosse Schnurrbartund die laute Stimme verliehen ihm ein furchtbares Ansehen, und die langen ineinen Zopf geflochtenen schwarzen Haare und seine nachlässige Kleidung voll-