IL Herzog Ferdinand von Braunschweig. III. Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. 333
reich in Westfalen gegen die stärkeren französischen Armeen operirt und sichmit Recht den Ruhm eines ausgezeichneten Feldherrn erworben. Seine Opera-tionen in dieser Zeit und in diesem Lande sind oben besonders beschriebenworden. Nach Abschluss des Friedens zwischen England und Frankreich imNovember 1762 erhielt der Herzog Ferdinand vom englischen Parlamente eineDanksagung und 3000 Pfund Sterling jährliche Pension.
Seine Operationen in Westfalen brachten ihm in der That viel Ehre undbekundeten in ihm einen ausgezeichneten Feldherrn. Als Befehlshaber einerArmee, die aus den verschiedenartigsten Elementen bestand, hat er fast immermit Erfolg und siegreich gegen bisweilen zweimal stärkere, einheitlich zusam-mengesetzte französische Armeen operirt. Durch Grossmuth, Freigebigkeitund freundliches Entgegenkommen hat er sich die Liebe und Achtung seinerTruppen und sogar die des Feindes erworben.
Im Jahre 1763 wurde er von Neuem zum Gouverneur von Magdeburg er-nannt, aber im Jahre 1766, in Folge entstandener Misshelligkeiten zwischenihm und Friedrich, nahm er seinen Abschied. Von der Zeit an lebte er baldin Braunschweig, bald auf seinem Lustschlosse Vechelde den Künsten undWissenschaften und unter reichlicher Fürsorge für die Armen und starb den3. Juni 1792 im 72. Lebensjahre, von Allen beweint.
III.Fürst Leopold von Anhalt-Dessau.
Der älteste preussische Generalfeldmarschall, schon zu Zeiten des KönigsFriedrich Wilhelm L, war Fürst Leopold, bekannt unter dem Namen »der alteDessauer«; er war der Sohn des Fürsten Johann Georg II. von Dessau undHenriettens, geborenen Prinzessin von Oranien, wurde am 3. Juni 1676 geborenund zeigte von seiner frühesten Jugend an ungewöhnliche körperliche Kraftund"" Gewandtheit und entschiedene Neigung für den Militärstand. Schon im12. Lebensjahre war er im kaiserlichen Militärdienst als Oberst einraugirt; nachdem Tode seines Vaters im Jahre 1693 trat er in den Besitz des FürstenthumsDessau und zugleich in brandenburgischen Kriegsdienst, und unternahm eine Reisenach Italien, wo er Gelegenheit hatte, mit dem Prinzen Eugen von Savoyenund mit andern berühmten Feldherren der damaligen Zeit bekannt zu werden.
Seine ersten Kriegsthaten begannen im Jahre 1695 in den Niederlanden,bei den brandenburgischen Truppen unter dem Oberbefehl des englischenKönigs Wilhelm III., und für ausgezeichnete Tapferkeit bei der Belagerungvon Namur wurde er im Jahre 1696 zum Generalmajor befördert. Nach,Ab-schluss des Friedens zu Ryswijk übernahm er im Jahre 1698 die Verwaltungseines Fürstenthums und verehelichte sich mit der schönen Tochter einesDessauer Apothekers, Anna Luise Föhse. In der Folge erkannte der Kaiser