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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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324 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

über verschiedene Gegenstände der Kriegskunst volle Gerechtigkeit wider-fahren lassen, Urtheile, ausschliesslich gegründet auf Folgerungen desgesunden, festen und praktischen Menschenverstandes und auf eineausserordentliche, in vieler Hinsicht richtige Anschauung der Gegen-stände.

Ausgezeichnet hat Lloyd die Einrichtung der europäischen Armeenseiner Zeit, alle ihre Schwächen, Mängel und Unvollkomnienheiten undauch die Mittel zu ihrer Beseitigung geschildert. Er hat in den Bereichseines Werkes die Prüfung der moralischen Kräfte, den Zusammenhangder Politik mit dem Kriege und den Einfluss der Oertlichkeit auf dieKriegsoperationen gezogen. In dieser Hinsicht ist er in das Wesentlicheseines Gegenstandes bedeutend tiefer eingedrungen, als alle ihm voran-gegangenen Kriegsschriftsteller von der Mitte des 17. Jahrhunderts an,und ist unvergleichlich höher als diese zu stellen. Dieses bezieht sichbesonders auf seine Prüfung der moralischen Kräfte und Mittel zur Er-regung und Bewältigung der Leidenschaften. Keiner der oben erwähn-ten Schriftsteller und sogar der Feldherren und Militärpersonen derdamaligen Zeit hat auf diesen ungewöhnlich wichtigen Gegenstand dieganze Aufmerksamkeit, die derselbe verdient, gerichtet. Die Ursachedavon ist eine ganz natürliche. Die Armeen der damaligen Zeit warenMaschinen ähnlich, welche durch physische Kraft allein in Bewegung-gesetzt wurden. Sehr schade ist es nur, dass Lloyd diesen Gegenstand(der moralischen Kräfte und Mittel zur Erweckung und Besänftigung derLeidenschaften) nicht in seinem ganzen Umfange beleuchtete und nichtseine wechselseitige Beziehung mit den übrigen Theilen seines Werkeserörtert hat, z. B. welchen Einfluss die verschiedenen Grade der morali-schen Kräfte der Truppen auf die militärischen Combinationen undOperationen ausüben müssen u. s. w.

Sehr bemerkenswerth sind durch ihre Richtigkeit seine Ansichtenüber den höheren Theil der Kriegführungskunst, über die Notwendig-keit des Studiums der Kriegsgeschichte, über die Eigentümlichkeitender verschiedenen europäischen Armeen, über die drei Haupteigen-schaften: Stärke, Schnelligkeit und Beweglichkeit, die den höchstenGrad der Vollkommenheit der Armeen bilden, über die wahren Ur-sachen der Erfolge Friedrich's H., über die Ansiedelung der Truppenauf den Staatsgrenzen, über den Feldherrn und über die leichtenTruppen.

Was diejenigen Theile dieses Werkes betrifft, welche sich speciellauf die Kriegführungskunst beziehen, so sind die Ansichten Lloyd's, die indiesen enthalten sind, nieht anders zu betrachten, als wie ein Ausdruckdes besten Mittels zur Kriegführung, aber nicht unbedingt zu allen Zeitenund unter allen Umständen gültig, sondern nur für Lloyd's Zeiten und