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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 325

bei der damaligen Organisation der europäischen Armeen. Lloyd er-kannte diese Kriegführungsart als die beste an, weil die damaligeEinrichtung der Truppen und Armeen keine andere zuliess, aber, wieaus seinem ganzen Werke ersichtlich, war er von der Unvollkommenheitder ersten sowohl wie der zweiten überzeugt, und wenn die Einrich-tung der Armeen vollkommener gewesen wäre, so steht es wohl ausserZweifel, dass Lloyd auch eine vollkommnere Art der Kriegführung, ent-sprechend der vollkommneren Einrichtung, vorgeschlagen hätte.

Obgleich die Einrichtung der Armeen und die Art der Kriegführungin einiger Hinsicht sich schon zu Lloyd's Zeiten geändert hatten, beson-ders gegen das Ende seines Lebens, und er selbst Zeuge der glänzendenThaten und Erfolge Friedrich's II. im siebenjährigen Kriege war, so be-zieht sich doch der grösste Theil der Gedanken und Regeln Lloyd'sim Allgemeinen auf die dem Ende des 17. und der grösseren Hälftedes 18. Jahrhunderts eigene Kriegführungsart und dient als genauerAusdruck sowohl dieser letzteren als auch der Regeln, nach welchendie besten Feldherren der besagten Zeitperiode operirten. Diese Gedan-ken und Regeln bilden den Haupttheil und so zu sagen den Grund desWerkes Lloyd's. Aber Lloyd beschränkte sein System nicht auf so engeGrenzen, sondern erweiterte dasselbe durch Folgerungen aus anderenQuellen. Einige sehr wichtige Regeln, z. B.: »wenn der Feind in unsereGrenzen mit zwei Armeen einfällt, so müssen wir unsere Streitkräfte con-centriren und uns mit diesen gegen die nächste der feindlichen Armeenwenden«, »Krieg muss man immer mit grösstmöglicher Thätigkeit führenund alle Märsche mit Schnelligkeit bewerkstelligen« u. s. w., warenaugenscheinlich Lloyd durch die Operationen Friedrich's eingeflösst,deren Geist sich ganz klar in ihnen zeigt, und daher sind diese Regeln,besonders die zweite, nicht mit allen übrigen Grundregeln, die Lloydaus den Kriegen am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahr-hunderts geschöpft hat, zu vereinbaren. In der That kann man sichschwer eine besondere Thätigkeit und Schnelligkeit in den Operationeneiner Armee vorstellen, welche sich von ihren Magazinen nicht über fünfoder sechs Tagemärsche entfernen kann!

So ist das Wesentliche des Lloyd'schen Systems enthalten: 1) inden aus den Kriegen am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahr-hunderts entnommenen Regeln, 2) in einigen aus den Operationen Fried-rich's IL geschöpften Regeln und 3) in der Aufzählung der moralischenMittel und der Gegenstände im Allgemeinen, welche zu den höheren Er-wägungen des Krieges gehören müssen.

Was die Prüfung der Grenzen verschiedener europäischer Staaten

durch Lloyd betrifft, so ist diese, obgleich sie einige sehr gründliche

Gedanken enthält und in historischer Hinsicht besonders interessant ist,