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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 323

tioiien zwischen dein Don und der Wolga bewegen. Wenn die Pforte aufdiese Weise operiren würde, so könnten die Russen nicht in die Moldaueindringen und auch nur mit Mühe ihr eigenes flaches und offenes Landmit den nach jetziger Art eingerichteten Armeen gegen den Einfall von100,000 Mann türkischer Reiterei decken.

Bei dieser Gelegenheit wiederholt Lloyd noch ein Mal, dass dieeuropäischen Armeen, bei ihrer jetzigen Organisation (am Ende des18. Jahrhunderts) nur im allerbeschränktesten Kreise und auf derkürzesten Operationslinie operiren und keine bedeutenden politischenUmwälzungen, keine grossen Eroberungen ausführen können.

Schliesslich sagt Lloyd, dass Russland an den AngelegenheitenDeutschlands nur als Hülfsmacht Theil nehmen könne und dies auchnur im Laufe weniger Monate des Jahres, dass es aber nicht im Standesei, irgend welche hinter der Weichsel gemachte Eroberungen zu be-haupten. Es würde Russland auch schwer werden, hinter diesem Flussebedeutende Eroberungen zu machen, seitdem Preussen einen Landes-theil von Polen an sich gebracht hat. Ein Blick auf die Karte überzeugtuns, sagt Lloyd, dass Preussen und die Türkei allein sich den GrenzenRusslands nähern können, dass die Vortheile Oesterreichs es erfordern,diese Staaten zu beobachten, und dass ein enges Bündniss zwischenOesterreich und Russland beiden ungemeine Vortheile bietet.

Was die übrigen Grenzen Russlands betrifft, so bewohnen einenTheil derselben vom Don bis zur Wolga und längs der Gebiete von Oren-burg und Sibirien nomadisirende und räuberische Tataren, welche vonZeit zu Zeit in die russischen Grenzen Raubeinfälle machen und sichschnell mit der Beute entfernen. Längs dem Gebiete von Irkutsk wohnenChinesen, welche, mit den Bewohnern der grossen Tatarei vereinigt, fürRussland sehr unruhige Nachbarn sein könnten, wenn sie nicht im All-gemeinen grossen Abscheu vor dem Krieg hätten und besonders sichnicht vor der Bewaffnung der Tataren fürchten würden. Persien ist vonAlters her durch innere Kriege zerrissen, und von dieser Seite haben dieRussen nichts zu fürchten; die Natur selbst hat zwischen Persien undRussland ein nicht zu bewältigendes Hinderniss, den Bergrücken desKaukasus, der sich vom Asow'schen bis zum kaspischen Meere erstreckt,aufgestellt.

§. 135.

Schlussfolgerung über das Werk Lloyd's und über sein System der

Kriegführung.

Bei Durchsicht des Werkes von Lloyd: »Politische und militärischeMemoiren«, muss man der Kraft und Richtigkeit der Urtheile Lloyd's

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