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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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322 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.

von Polen, Smolensk erobert, nach Moskau marschirt wäre, anstatt nachPoltawa zu gehen, und auch nur einen Sieg errungen hätte, so hätte erMoskau und ganz Russland erobert (!?). Uebrigens, sagt Lloyd, hätteer Russland dem schwedischen Reiche nicht einverleiben können ausdemselben Grunde, aus welchem es Schweden unmöglich ist, seinelettischen Besitzungen zu behaupten, d. h. weil die Operationslinie derSchweden unumfasslich gross geworden wäre.

Endlich sagt Lloyd bei Prüfung der dritten Strecke der GrenzenRusslands, von Smolensk bis zum schwarzen Meere und besonders vonKijew bis Kinburn, sowie der Grenzen der Türkei gegen Polen undRussland, dass diese Grenzen sich von Chotin längs dem Dnjestr biszum schwarzen Meere, längs dem Ufer desselben bis Oczakow amDnjepr, längs den Küsten der Krim und bis zum Don, erstrecken. Ob-gleich die Tataren zwischen dem Dnjestr und Don, an den Gestaden desschwarzen Meeres, der Pforte nicht unterthan sind, so befinden sie sichdoch in solcher Abhängigkeit von derselben, dass sie stets einmüthig ge-handelt haben und handeln werden. Auf dieser Grenze besitzen dieTürken die Festungen Chotin, Bender, Oczakow und Perekop, die ihnenals Hauptniederlagepunkte dienen können.

Die südwestliche Grenze Russlands erstreckt sich von Kijew dasrechte Dnjeprufer entlang bis Kinburn, Oczakow gegenüber. Die Russenhaben auf dieser Grenze nur eine Festung, Poltawa. Die Länge dieserGrenze beträgt gegen 170 Lieues (680 Werst).

Die Hauptoperationslinie der Türken und Russen muss die 80 Lieues(320 Werst) lange Linie von Chotin nach Kijew sein. Wenn die Türkeioder Russland nicht Polen einnehmen, um von dort Proviant zu beziehen,so wird es weder dem einen noch dem anderen Staate möglich sein, aufdieser Operationslinie zu operiren, und der Krieg zwischen ihnen wird nurin der kleinen Tatarei (zwischen dem Dnjestr und Don) und in der Krimgeführt werden können. Hier werden die Vortheile auf Seiten derRussen sein, sowohl in Folge der Aufstellung ihrer Streitkräfte und derRichtung ihrer Grenzen, welche ihnen viele geeignete Punkte zum Ueber-falle der türkischen Besitzungen bieten, als in Folge der Nähe aller ihrerKriegsmittel, der Richtung der Flüsse u. s. w.

Polen aber gehört und wird immer demjenigen angehören, der sichzuerst desselben bemächtigt, und daher können die Türkei und Russlandauf ihrer Hauptoperationslinie vom Dnjestr nach Kijew und umgekehrtoperiren. Es ist klar, dass nach der Beschaffenheit der türkischenGrenze die Russen sich nicht dem Dnjestr werden nähern können, wenndie Türken 3040.000 Tataren entweder über Polen zwischen demBug und Dniepr oder zwischen dem Dnjepr und Don aufmarschirenlassen. Die Türken könnten sogar die Kuban'schen Tataren zu Opera-