320 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
die Hälfte aus leichten Truppen besteht, die, geschickt befehligt, ineine mzerklüfteten Lande operiren, wird unzweifelhaft den Feind zwin-gen, sich zurückzuziehen und von seinem Vorhaben abzustehen, wennseine Operationslinie nur einigermassen lang ist.
§. 134.
Lloyd's Denkschrift. Theil IV, Kapitel 7 und Theil V: Prüfung derGrenzen verschiedener europäischer Staaten in militärischer Hinsieht.
Die Grenze eines jeden Staates hat einspringende und ausspringendeWinkel; sie kann nur auf einigen Punkten angegriffen werden, welchedurch die Zahl und Eigenschaft der auf ihnen zusammenlaufendenWege, durch die bezügliche Lage und Entfernung der Hauptstadt jedesStaates und der Festungen im Umkreise von 30 Lieues (120 Werst) alsäusserster Grenze erfolgreicher Offensivoperationen bestimmt werden.Wenn Festungen solcher Art auf dem einen oder auf beiden Ufern desGrenzflusses nicht vorhanden sind, so ist es einleuchtend, dass man garkeinen dauerhaften Erfolg erzielen kann und man sich auf die Ver-wüstung des Landes und auf einen Rückzug oder auf die Erleichterungder Operationen der Hülfsarmee, die auf der anderen Operationslinie steht,beschränken muss.
Zur besseren Erklärung seiner Gedanken wendet Lloyd sie beispiels-weise auf die Grenzen verschiedener Staaten Europas und Amerikas an,nämlich auf Frankreich, Oesterreich, Preussen, die Türkei, Russland,Polen, England und Nord-Amerika. Die von ihm gegebene Prüfungder Grenzen dieser Staaten ist auf der Ansicht über die Unmöglichkeitbegründet, sich von seinen Magazinen mehr als 30 Lieues (120 Werst)zu entfernen, oder mit anderen Worten, seine Operationen weiter vomGrenzstriche des Landes als 5—6 Tagemärsche auszudehnen. Dochhaben seit der Zeit die Grenzen der Staaten grosse Veränderungen er-litten. Für uns sind übrigens die von Lloyd gegebenen Prüfungen derdamaligen nordwestlichen, westlichen und südlichen Grenzen Russlandsin Europa interessant.
Diese Grenzen, sagt Lloyd, beginnen im Norden, in Finnland, vomFlusse Kymmene, welcher Schweden von Russland trennt, und erstreckensich längs den nördlichen und südlichen Ufern des finnischen Meerbusensbis zur Mündung der Düna, wo Riga, wichtig als Festung und Handels-stadt, liegt. Von hier zieht sich die Grenze die Düna aufwärts, von deroberen Düna zum oberen Dnjepr, Smolensk und den Dnjepr abwärtsbis zum schwarzen Meere.