10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 319
§. 133.Dloyd's Denkschrift. Theil IV, Kapitel 6: Ueber leichte Truppen.
Während des siebenjährigen Krieges, sagt Lloyd, hatten die Oester-reicher 30,000 Mann leichter Truppen, •welche in den verschiedenen Ar-meen und abgesonderten Corps derselben vertheilt waren; sie verstandenes aber nicht, aus ihnen den ganzen Nutzen zu ziehen, den diese Truppenhringen können. Im Allgemeinen wurden die österreichischen leichtenTruppen nur zur Beobachtung des Feindes benutzt, aber auch diese Auf-gabe erfüllten sie ungenügend, weil sie sehr zahlreich und in zu starkeDetachements getheilt waren, sich immer vor der Fronte der Armee be-fanden, gar keine Activität hatten und nur der Benennung nach leichteTruppen waren. Jedesmal, wenn der Feind einen Rückzug oder einenFlankenmarsch bewerkstelligen wollte, stellte er vor den leichten Truppeneine Postenkette auf und vollbrachte hinter derselben stets mit Erfolg alleseine Bewegungen, von welcher die Oesterreicher immer zu spät Kundeerhielten. Wenn aber der Feind angriff, so verschwanden diese leichtenTruppen nach kurzem Geplänkel gänzlich und im Falle eines Kampfessogar auf einige Tage. Sie versahen den Felddienst so nachlässigund fahrlässig, dass einige ihrer Detachements überrumpelt und ver-nichtet oder zerstreut wurden. Daraus schliesst Lloyd, dass kleine De-tachements leichter Truppen viel bequemer und besser den Feind be-obachten können, als grosse von 1000 Mann und mehr, weil sie mitgrösserer Verborgenheit und Thätigkeit operiren können. Die Zahl undOperationsart der leichten Truppen wird durch die Art des beabsichtigtenKrieges bestimmt. In einem Offensivkriege, dessen Regeln fordern,einen Kampf mit dem Feinde zu suchen, muss man seine Kräfte concen-triren. in keinem Falle diese theilen und keine Zeit in ermüdenden undunnützen Recognoscirungen verlieren. Wenn der Feind vor uns ist, somuss man gegen ihn rücken. Wenn unsere Armee wesentlicher Stärkebedarf, so muss sie aus schwerer Reiterei, Infanterie und Artilleriezusammengesetzt werden, damit unsere physischen Kräfte den feind-lichen Kräften überlegen sind. Unter diesen Umständen sind dieleichten Truppen nur zu Recognoscirungen vor und zu Seiten der Ar-mee nöthig.
Aber in einem Vertheidigungskriege müssen wir, unserer Schwächewegen, dem Kampfe ausweichen und bestrebt sein, nur auf obengedachteWeise auf die Flanken des Feindes zu operiren. Dieses können undmüssen die leichten Truppen allein bewerkstelligen und daher ist es destobesser, je mehr ihrer sind. Eine Armee von 40,000 Mann, von denen