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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 315

Land ausplündern, verwüsten und sich so schnell als möglich entfernen;aber in solch einem Lande nach einem regelrechten und begründetenPlane zu operiren ist unmöglich.

Das sind, nach der Meinung Lloyd's, die auf gesunder Vernunft undErfahrung begründeten Kegeln eines Offensivkrieges. Die Geschichtelegt davon Zeugniss ab, dass Feldherren, die diese Regeln zur Richt-schnur genommen, glänzende Erfolge erzielt, und dass diejenigen,welche diese Regeln nicht befolgt, grosse Misserfolge erlitten haben.Daher muss man diese Regeln für feststehende erachten, von der Ein-sicht des Feldherren aber wird die geschickte, den Umständen ange-messene Anwendung derselben abhängen.

§. 132.Lloyd's Denkschrift. Theil IV, Kapitel 5 : Ueber den Defensivkrieg.

Wenn die oben auseinandergesetzten Regeln eines Offensivkriegesrichtig sind, so müssen die Regeln eines Defensivkrieges die gerade ent-gegengesetzten sein. Wenn der Vortheil des Feindes darin besteht, unsso schnell wie möglich zu einer Hauptschlacht zu zwingen, dadurch dieMöglichkeit zu erlangen, eine unserer Hauptfestungen zu belagern, indieser neue Niederlagen zu eröffnen und allmälig in unserem Landevorzurücken, bis er uns gezwungen hat, dasselbe gänzlich zu räumenoder den von ihm dictirten Frieden zu schliessen, so muss unsererseits alleAufmerksamkeit auf ein sorgfältiges Ausweichen einer Entscheidungs-schlacht gerichtet sein. Bei geschickter Operation mit unserer Armee imFelde können wir den Feind, trotz seiner Uebermacht an Streitkräften,zum Rückzuge mit Verlust der Hälfte seiner Armee zwingen. Wirdürfen uns auf keine Schlacht einlassen, selbst bei der vollen Hoff-nung, in derselben zu siegen : denn unsere Niederlage wird für uns dienachtheiligsten Folgen haben und ein Sieg nur dasjenige bieten, wasauch ohne Kampf und ohne der Gefahr einer Niederlage ausgesetzt zusein, erreicht werden kann, indem man nach folgenden Regeln verfährt:

Die vom Feinde gewählte Operationslinie wird die Wahl unserereigenen Operationslinie bestimmen. Wir müssen dem Feinde möglichstweit entgegengehen, seinen Märschen zuvorkommen und, wenn möglich,aus unseren Grenzen herausgehen, alle kleinen feindlichen Niederlagenzerstören und Pferde, Vieh und die feindlichen Kornvorräthe wegnehmen.Mit Annäherung des Feindes muss man allmälig sich in mehr und mehrstarke Positionen zurückziehen, sich oft in Scharmützel einlassen, aberniemals eine Hauptschlacht liefern. Wenn in unserem Gebiete oderausserhalb der Grenzen desselben ein Fluss fliesst, muss man sich hinter