Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

314 III- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

haben. müssen wir offensiv allein auf die durch die Aufstellung des.Feindes bestimmte Operationslinie operiren. Sobald wir aber unsere Ab-sichten erreicht haben, müssen wir defensiv auf der Operationslinie, diedurch die Richtung von unserem Lager bis zu unserem Niederlagepunktebestimmt wird, operiren. Unsere ganze Aufmerksamkeit muss auf diethätige Bewerkstelligung der Belagerung, auf die Deckung der Trans-porte u. s. w. gerichtet sein. Dann wird der Feind von der Defensivezur Offensive übergehen und während wir uns von unserer Operations-linie nicht entfernen können, hat er volle Freiheit gegen uns, wie undwo es ihm gefällt,, zu operiren.

Wahrscheinlich wird er einige Operationslinien zwischen seinen, inFestungen und in seinem Lager, wo das letztere auch liegen möge, be-findlichen Niederlagen besitzen. In diesem Falle wird er beständig voneiner Operationslinie auf die andere übergehen, so dass es uns wedermöglich sein wird, ihn zum Kampfe noch zur Räumung des Landes zuzwingen. Unsere Armee wird bald ermüdet, der Proviant erschöpft seinund wir werden uns genöthigt selten, uns ohne jeglichen Nutzen zu-rückzuziehen, nachdem wir die Hälfte unserer Armee verloren. Beisolchen Umständen bleibt uns nur übrig, gerade gegen die Festung,die wir belagern wollen, zu marschiren, was den Feind zwingen wird,uns nachzufolgen. Wenn unsere Operationslinie gesichert ist, wird erentweder eine Schlacht wagen oder es zulassen müssen, dass wir dieFestung erobern, und dies ist es gerade, was wir wünschen.

Wenn der Feind im Rücken hinter sich einige Operationslinien hat,so muss man ihn zwingen, sich auf eine zu beschränken, indem man, umdieses zu erreichen, schnell gegen eine seiner Flanken vorgeht und sichperpendiculär zu ihr aufstellt. Wenn wir auf diese Art operiren. könnenwir ihn hinziehen, wohin es uns beliebt. Der Erfolg wird in diesemFalle von der Schnelligkeit des Manövrirens unserer Truppen, von derLänge unserer Operationslinie und der Geschicklichkeit unseres Gegnersabhängen. Wenn wir auf unserer Seite nicht die Ueberlegenheit desHeeres an Zahl und Eigenschaften und an Gründlichkeit der Operationenhaben, so wird der Feind unsere Unternehmungen gar nicht beachtenund uns zum Rückzuge ohne Nutzen und Erfolg zwingen.

Wenn das feindliche Land keine Festungen hat, von den angrenzen-den Provinzen durch einen grossen Fluss oder einen Bergrücken getrennt,nicht offen und nicht gross ist und wenn wir mehr Reiterei haben, alsder Feind, so müssen wir durch geschickte Bewegungen den Letzterenhinter den Fluss oder hinter die Berge zurückdrängen und, nachdem wireine vortheilhafte Position eingenommen , uns im Lande festsetzen.Wenn aber das feindliche Land weder Festungen, noch wichtige natür-liche Hindernisse hat, so muss man, ähnlich den wilden Völkern, das