10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 313
mehr Truppen haben, als der Feind, und wenn dieser geschickt operirt,•so unterliegt es keinem Zweifel, dass er uns zwingen wird, die Belage-rung mit Verlust für uns aufzuheben.
Wenn die besagte Festung sich nahe der Grenze befindet, so werdenwir, nachdem wir 2—3 Lieues ,8—12 Werst) ins Innere des Landeseingedrungen sind, diese hinter uns lassen und leicht die Belagerungderselben decken, weil unsere Operationslinie kurz und leicht zu be-schützen und dem Feinde es nur durch eine Schlacht möglich sein wird,uns zur Aufhebung der Belagerung zu zwingen. Wenn aber die Festung20—25 Lieues (80—100 Werst) von der Grenze im Innern des Landessich befindet, so kann der Feind, indem er einer Hauptschlacht ausweichtund mit seiner Hauptmacht gegen unsere Operationslinie operirt. unszum Bückzuge zwingen, der sehr schwierig sein würde, wenn der Feinduns in der Fronte, in den Flanken und im Rücken angriffe.
Daher glaubt Lloyd, dass, wenn wir die Möglichkeit haben, denFeind auf einer bestimmten Ausdehnung der Grenze anzugreifen, wirunsere Festungen möglichst nahe dieser Grenze haben müssen; dannwird unsere Operationslinie kürzer sein. Wenn aber unsere Festungenbestimmt sind unser eigenes Land zu decken, so müssen sie sich15—20 Lieues (60—80 Werst) von der Grenze befinden, ausgenommen,wenn besondere Umstände, ein grosser Fluss, ein wichtiger Gebirgspassu. s. w. das Gegentheil erfordern sollten.
Wenn wir eine feindliche, in einer Entfernung von 15~ Lieues(60 Werst) von der Grenze gelegene Festung belagern, so räth Lloyd,auf der Hälfte des Weges ein befestigtes Lager nach Muster der römischenaufzuschlagen und aus demselben einen Niederlagepunkt für Lebens-mittel, Kriegsbedarf, Artillerie u. s. w. zu machen. Von hier aus wirdman ohne Mühe zur Armee Transporte senden können, was nicht mög-lich wäre, wenn der Niederlagepunkt sich zweimal weiter, d. h.30 Lieues (120 Werst'i entfernt befinden würde.
Wenn wir die Absicht habenT den Feind zu einer Hauptschlacht oderzur Räumung des Landes zu zwingen, so müssen wir mit allen unserenKräften operiren, dürfen auf keinen Fall Detachements abtheilen undkeine Streifzüge und kleinen Unternehmungen machen, was unsere Armeeschwächen, die Detachements abgesonderten Niederlagen aussetzen unddas Land verwüsten hiesse, welches letztere wir im Gegentheil schonenmüssen, wenn wir uns in demselben festzusetzen beabsichtigen. Anstattdass wir abgesonderte Detachements zur Vernichtung kleiner feindlicherMagazine verwenden, ist es besser, dass wir bestrebt sind, unsere eige-nen, in irgend einer Festung im Rücken, beim Vorwärtsmarschirenzurückgelassenen Niederlagen sicher zu stellen. Bevor wir den Feindvon der Festung, welche wir zu belagern beabsichtigen, abgezogen