312 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.
3) Unsere Operationslinie muss auf irgend einen wichtigen Punktführen; sonst werden sogar zehn gelungene Feldzüge für uns ohnejeglichen Nutzen bleiben.
Wenn die Schwierigkeiten der Offensivoperationen sich mit der Längeder Operationslinie vergrössern, so werden, bei gleichen Umständen inallem Uebrigen, alle Vortheile schliesslich auf Seiten derjenigen Armeesein, welche, wenngleich numerisch schwächer, auf der kürzeren Opera-tionslinie und dabei vorsichtig aber entschlossen operirt.
§. 131.Lloyd's Denkschrift. Theil IV, Kapitel 4: Ueber den Offensivkrieg.
Einfälle in Feindesland können zum Zwecke haben : entweder Er-hebungen von Contributionen, oder die Vernichtung feindlicher Nieder-lagen, oder Diversionen, welche die Operationen einer andern Armee er-leichtern oder begünstigen, oder endlich die Eroberung einer Provinz.
In jedem von diesen Fällen müssen die Operationen verschiedenund dem vorgesteckten Ziele entsprechend sein. So sind im ersten FalleVorsicht, Thätigkeit und Gründlichkeit der Operationen nöthig.
Allem zuvor muss man wissen: 1) ob die Provinz, die man zu er-obern beabsichtigt, befestigt, ob in derselben Festungen vorhanden sindoder nicht; 2) ob sie von andern feindlichen Provinzen durch einengrossen nie zufrierenden Fluss oder durch irgend einen Bergrücken mitwenigen engen Durchgängen getrennt ist, und 3) ob diese Provinz,nicht ganz von Flüssen, Festungen, Bergen entblösst ist und ob sie nichtoffener liegt als die benachbarten Provinzen.
Im ersten Falle muss man die Hauptfestung im Lande erobern, wasdie Möglichkeit bieten wird unsere Armee zu theilen und sie in Sicher-heit auf Winterquartiere zu stellen. Wenn diese Festung stark ist und.der Feind eine starke Armee im Felde hat, so wird dies ein schweresUnternehmen sein, dessen Erfolg von sehr entschlossenen und vorsich-tigen Operationen abhängt, besonders wenn das Land zerklüftet undunsere Operationslinie lang und von Flüssen, Bergen und ähnlichenHindernissen durchschnitten ist. In solchem Falle ist es am besten, ge-rade auf den Feind loszugehen und ihn zu einer Schlacht zu zwingen,oder durch geschickte Bewegungen ihn möglichst weit von der Festungabzuziehen, damit er nicht die Belagerung derselben hindere. Aber da-zu ist es nöthig. dass unsere Armee bedeutend stärker als die feindlicheist, so dass ein Theil der Armee hinlänglich wäre, um die feindliche auf-zuhalten , und der andere Theil ausreiche, die Belagerung zu bewerk-stelligen, die Zufuhr zu decken u. s. w. Wenn wir aber nur ein Drittel