10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 311
Armee sind in 4—5 Corps gefheilt, die unter sich eine Communicationunterhalten, so dass nicht ein Wagen des Feindes den Detachements dersich verteidigenden Armee entschlüpfen kann. Auf diese Weise, Insein Theil der letztern die heranrückende Armee in der Fronte und linkenFlanke aufhalten und beschäftigen wird, operirt der andere Theil der-selben längs ihrer Operationslinie, attakirt und vernichtet die auf der-selben sich bewegenden Transporte. Wenn die heranrückende Armee sichvon Exeter zweimal weiter, also 30 Lieues (120 Werst) entfernt, so wirdsie nicht im Stande sein in ihrem Lager auch nur zwei Wochen zu bleiben.
Bei einem Marsche auf eine Entfernung von 60 Lieues (240 Werst),welchen man nicht schneller als in 20 Tagen bewerkstelligen kann, istes unmöglich die für eine Armee von 50—60,000 Mann nöthige Quantitätan Lebensmitteln, Fourage, Pferden, Fuhren u. s. w. zu beschaffen undzu unterhalten. Wenn sogar nur 20,000 Mann Fussvolk und 5000 MannReiterei von einem Punkte, der von ihnen nur 30 Lieues (120 Werst) ent-fernt ist, Proviant beziehen müssen, so werden sie nach einer Woche ge-nöthigt sein entweder ihren Transporten entgegen zu marschiren, sich zuzerstreuen oder umzukommen. Wenn man dazu noch die Schwierigkeitenhinzufügt, die ihnen ein geschickter Feldherr, nach den oben auseinander-gesetzten Pegeln operirend, entgegenstellen wird, so ist es klar, dass eskeine so starke oder schwache Armee giebt, die auf der Operationslinievon 30 Lieues 120 Werst) Länge operiren könnte, wenn der Feind seiner-seits im Stande ist im Felde zu operiren und die Vorsicht besitzt, einerHauptschlacht auszuweichen. Und je mehr das Terrain des Landes zer-klüftet ist, desto bequemer ist es für den Feind, gegen die Operations-linie zu operiren, desto gefährlicher werden diese Operationen für dieheranrückende Armee sein und desto schwerer wird sie sich vor diesensichern können.
Aus allem diesen zieht Lloyd folgende Schlüsse, die er als Regelnund Axiome aufstellt:
1) Wenn nur die Beschaffenheit der feindlichen Grenzen und dieVertheilung unserer Niederlagen es zulassen, muss man die (für denTrnppenmarsch und für die Zufuhr) kürzeste und bequemste Operations-linie wählen.
2) Muss man eine solche Richtung für die Operationslinie wählen,bei welcher der Feind nicht gegen unsere Flanken und folglich auchgegen unsere Operationslinie operiren kann, was unumgänglich der Fallsein wird, wenn der Feind die Gebiete zu beiden Seiten unserer Opera-tionslinie inne haben wird. Je mehr wir vorwärts marschiren, in destogrösserer Gefahr werden sich unsere Cömmunicationen mit den Nieder-lagen befinden, und bald werden wir diese ganz verlieren und umzingeltwerden