310 III. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.
schnell wie möglich auf der andern mit der ganzen gemachten Beute zu-rückzuziehen. 100,000 Mann Eeiterei, einen Krieg solcher Art führend,würden ganz Europa in kürzester Zeit verwüsten, trotz der grossen regel-recht organisirten europäischen Armeen, die schwere Reiterei, Artil-lerie u s. w. haben, weil im Kriege Alles von der Schnelligkeit undBeweglichkeit abhängt, welche unsere Armeen nicht besitzen. Da siees nicht wagen können . sich von ihren Festungen, in welchen sich ihreNiederlagen befinden, zu entfernen, sind sie stets in einen engen Kreiseingeschlossen, dessen Mittelpunkt ihre Magazine sind. Die Tatarenbesitzen weder Magazine noch Niederlagen, und haben diese auch nichtnöthig; aber wir mit unseren grossen und schwerfälligen Armeen haben,wenn wir in ein feindliches Land einrücken, die Absicht irgend eineProvinz oder einige Festungen u. s. w. zu erobern, und wenn wir aufdem Wege keinen Proviant finden, sind wir gezwungen an bewussten be-stimmten Punkten unsere Magazine mit Proviant, Kriegsbedarf u. s. w.zu errichten, aus welchen die Armee durch Zufuhr versorgt wird. DiesePunkte dienen den Operationen als Grundlage (oder Basis), welchegegen andere bestimmte Punkte in Feindesland gerichtet sind, wenn wireinen Offensivkrieg fuhren; oder aber die Märsche sind von diesen Punk-ten zu anderen auf unseren eigenen Grenzen gerichtet, wenn wir einenDefensivkrieg führen. Die Linie, welche alle Punkte, zu welchen dieArmee marschiren muss, verbindet, wird Operationslinie genannt. Vonallem bis jetzt Erläuterten (sagt Lloyd) verdient sie die grösste Be-achtung. Von einer guten oder schlechten Wahl der Operationsliniehängt der ganze Erfolg des Krieges ab. Wenn die Wahl derselben un-glücklich ist, so werden alle unsere Erfolge, mögen sie noch so glänzendsein, zu nichts führen.
Lloyd erläutert dies durch ein Beispiel. Nehmen wir an, sagt er,dass eine Armee von 40,000 Mann Infanterie und 10,000 Mann Reiterei,mit ihrer ganzen Artillerie, mit allen ihren Proviantfuhren, dem ganzenTrain u. s. w. von Exeter, wo sich ihre Magazine befinden, nach Lon-don marschirt, und eine andere Armee, nur 40,000 Mann stark, dieerstereaufhalten muss. Die Letztere stellt sich so nahe als möglieh von Exeterauf und nachdem sie irgend einen vortheilhaften Punkt besetzt, verzögertsie den Marsch der heranrückenden Armee, wird darauf vor derselbensichtbar, nachdem sie kleine Detachemeuts auf ihre Flanken gesandthat. Sobald sich aber die heranrückende Armee auf 10 —12 Lieues(40—48 Werst) von Exeter entfernt hat, so lässt die sich vertheidigendeArmee, anstatt die erstere in der Fronte aufzuhalten, vor dieser gegen10,000 Mann, entsendet eben so viel auf ihre linke Flanke, und dieübrigen (20,000 Mann) dehnt sie längs ihrer Operationslinie von ihremLager bis Exeter aus. Diese 20,000 Mann der sich vertheidigenden