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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 305

Anarchie und die beständigen Rebellionen der Truppen, welche denedlen Militärstand in früheren Zeiten beschimpften, sowie durch die Aus-schreitungen, Plünderungen und Gewaltthätigkeiten, welche nicht seltenauch zu Lloyd's Zeiten vorkamen und gegen welche in der preussischenArmee der nothwendige Schutz die strenge und nach Lloyd's Wortensogar grausame Disciplin war.

In den folgenden Kapiteln des zweiten Theiles spricht Lloyd überdie verschiedenen menschlichen Leidenschaften, ihre Quellen und Wir-kungen und die Mittel zur Erregung oder Bewältigung derselben nachGutdünken. Zuerst beleuchtet er die Sensibilität im Allgemeinen, welcheWohlgefallen oder Missvergnügen, angenehme oder unangenehme Ge-fühle hervorbringt. Er theilt die Sensibilität in eine physische, die imMenschen von Innen erregt wird, die er mit allen Thieren gemein hat,welche in der Fähigkeit besteht, Behagen oder Missbehagen zu fühlen,und einzig von unsern Gefühlen und der Befriedigung unserer Bedürf-nisse abhängt, und in eine moralische, die im Menschen von Aussenerregt wird, nur dem Menschengeschlecht eigen ist und aus unserm Ver-hältnisse zur Gesellschaft entspringt und von diesem abhängt. Je roherund unvollkommener die Gesellschaft, desto mehr nähern sieh die Men-schen dem Zustande der Thiere. Aber auch beim rohesten Zustande derGesellschaft lebt im Menschen eine besondere, nur ihm allein eigeneund dem Thiere fremde Ursache der Thätigkeit, nämlich das Streben nachErhöhung, Bevorzugung, Vorherrschen, welches allen Menschen eigenist, sich aber doch durch Mittel und Anwendung seitens der verschiedenenClassen der Menschen unterscheidet. Die Gemeinthätigkeit ist der Im-puls zu unserer Erhöhung in der Gesellschaft; die tlüerisclie Thätigkeitist der Antrieb zur Ermittelung alles dessen, was uns zur Erhaltungunserer Existenz dient. Dieses Streben nach Erhöhung ist in seinemZiele und seinen Mitteln Aenderungen, je nach dem Standesunterschiededer Menschen unterworfen; und daher muss die Thätigkeit der Menschendurch Gegenstände, die ihrem Stande oder ihrer gesellschaftlichen Stellungentsprechen, erregt werden. Die Hauptleidenschaften, mittelst welcherman auf die Menschen im Allgemeinen und auf die Truppen insbesondereeinwirken kann, sind: Furcht, Ehre, Schande, Eigennutz und besondersreligiöser Fanatismus.

Die Furcht ist die Folge einer natürlichen Abneigung des Menschenund des ThieVes vor Allem, was ihrer Selbsterhaltung schädlich seinkönnte, und wenn ein anderes stärkeres Gefühl der Furcht sie nicht zu-rückhält, so retten sie sich vor der Gefahr durch die Flucht. Verzweiflungdagegen erzeugt eine Art Tapferkeit, die Natur äussert ihre ganze Kraftund fast immer mit Erfolg. Wenn der Soldat sich in verzweifelter Lagebefindet oder sich in solcher zu befinden glaubt, dann wird er zum wahren

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. III, 3. 20