304 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
die Truppen nützlich, nicht etwa schädlich. Die Eekruten wären heiihrer Ankunft im Regiment gesund, geschult und für die Operationen vor-bereitet. Jeder Soldatensohn müsste vom zehnten Lebensjahre an miteinem Landstücke dotirt und ins Register des Regiments eingetragenwerden. Auf diese Weise würde die ganze Armee sich bald in eineMilitär-Colonie verwandeln, der Soldatenstand wäre geachtet und fürdas Alter und im Falle der Dienstuntauglichkeit vortheilhaft gesichert,und die Pflichten des Militärstandes würden mit Ehre und Pünktlich-keit von Leuten ausgeführt werden, welche schon Landbesitzer und pro-ductive Glieder des Staates wären. Das grösste Unglück, das demSoldaten drohen könnte, wäre seine Ausweisung aus dem Regimente, weiler dadurch auch seines Hab und Gutes beraubt werden würde. Ein Soldat,der sich gewöhnt hat, in ein und demselben Lande unter denselbenLeuten zu leben, hält auf sich strenger als derjenige, der beständig voneinem Quartiere auf ein anderes übergeht und überall nur eine Zeit langals ein Fremder bleibt; daher kommt es denn auch, dass ein Regimentselten durch ein Dorf marschirt, ohne dass dabei nicht irgend welcheAusschreitungen oder irgend welche Beleidigungen vorkommen.
§. 128.Lloyd's Denkschrift. Theil II : TJeber die Philosophie des Krieges.
Im ersten Kapitel dieses Theiles schildert Lloyd das Ideal einesFeldherrn und diejenigen Tugenden und hohen Eigenschaften des Ver-standes und Herzens, die er dazu besitzen muss, um die Geister völligzu beherrschen und mit unumschränkter Macht die Kräfte der Menschen,welche die Armee bilden, zu regieren, den gesunkenen Muth der Truppenzu heben und den aufrührerischen Geist derselben zu bändigen, mit einemWorte den Haufen zu allem Guten und Redlichen anzuleiten und ihnvon allem Schlechten und Unredlichen abzuhalten. Alles was sich aufdiesen Gegenstand bezieht, nennt Lloyd die Philosophie des Krieges,welche er als den höchsten und schwierigsten Theil der Kriegskunst er-achtet ; weder ein Gemeinstand, noch eine der menschlichen Künste hatetwas Aehnliches aufzuweisen. Diese Philosophie, sagt Lloyd, setzttiefe Kenntniss des menschlichen Herzens voraus und dient als Quelle,aus welcher für den Feldherrn alle Mittel zur Ueberzeugung fliessen.Ueberhaupt sind alle Gedanken Lloyd's über diesen Gegenstand vontiefer Philosophie, hohem moralischen Gefühl und genauer Kenntniss derMenschen im Allgemeinen und des Soldaten im Besondern, durchdrungen.Sehr viele Gedanken Lloyd's beziehen sich auf die Bewältigung einer auf-rührerischen Armee. Dies erklärt sich durch die Gewaltthätigkeit,