10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 303
§■ 127.
Lloyd's Denkschrift. Theil I, Sehlussfolgerung: lieber den Unter-halt der Armee in Friedens- und Kriegszeiten.
Im Unterhalt der Armeen in Kriegszeiten ist nichts schwierigerals die Ergänzung derselben mit Rekruten und ihre Versorgung mitBekleidungsstücken. Nach einem oder höchstens zwei Feldzügen be-dürfen die Armeen Mannschaften, und die Truppen Bekleidungsstücke.Die Aushebungen werden in Provinzen bewerkstelligt, die oft sehr weitvon der entfernt sind, in welcher Krieg geführt wird, so dass eine grosseAnzahl Rekruten auf dem Marsche stirbt, andere zum Dienst ganz un-tauglich werden, und die kleine Zahl derer, die zu ihren Regimentern undTruppentheilen gelangen, sind so roh und ungebildet, dass sie, noch ehesie zum Felddienste genügend ausgebildet sind, die Hospitäler anfüllen.Somit kann man als bestimmt annehmen, dass von allen Rekruten kaumder vierte Theil zu den activen Truppen gelangt und gute Soldaten ab-giebt. Um diesem Uebelstand vorzubeugen, räth Lloyd, Truppen anden Grenzen anzusiedeln (ähnlich wie österreichische Grenztruppen anden Grenzen Oesterreichs und der Türkei angesiedelt sind), in der Art, dassjedes Regiment auf der Grenze seine ständigen Quartiere hätte, indiesen während des Friedens verbliebe, in Kasernen untergebracht wäre,welche (im Falle einer Gefahr gegen Ueberfall des Feindes) mit einemWalle nebst Graben und Pallisaden umgeben sein müssten, innerhalbwelcher sich die Landbewohner mit ihren Heerden u. s. w. bergenkönnten. Diesen Militäransiedlungen müssten bestimmte Landstückeangewiesen werden. Hierher würden alle Rekruten kommen, hierwürden sie geschult und zum Dienste vorbereitet werden, hier würdensich auch die Waffendepots, sowie die Niederlagen für Bekleidungs-,Munitions- u. dgl. m. Gegenstände befinden. Hier hätten kranke undverwundete Chargen und dienstuntaugliche Invaliden eine Zufluchts-stätte : in Kriegszeiten aber sollte in den Quartieren eines jeden Regi-ments ein Reservebataillon oder eine Reserveschwadron zur Schulungder Rekruten und Verrichtung alles für das Regiment Nöthigen und Er-forderlichen bleiben. Ein auf diese Weise befestigtes Grenzland wäre imStande, die Truppen mit eigenen Mitteln zu erhalten, und der Staat wärevon der Nothwendigkeit befreit, die Invaliden mit halbem Sold zu ver-sorgen oder diese mit dem Dienste, zu dem sie nicht mehr tauglich sind,zu quälen. Bei diesem System ist es nicht nur zuzulassen, sondern so-gar wünschenswerth, dass die Soldaten heirathen und dadurch die Ver-luste des Krieges ergänzen. Die Frauen der Soldaten würden ihrenMännern bei Bearbeitung des Landes behülflich sein und wären für