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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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302 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.

Truppen erlangt werden. Die erste Aufgabe der Taktik muss die Lösungder Frage sein: welche Aufstellung einer bestimmten Anzahl von Leutenist die beste, um mit der größtmöglichen Schnelligkeit marschiren undoperiren zu können. Von der Lösung dieser Frage hängt hauptsäch-lich der ganze Erfolg der Kriegsoperationen ab. Eine Armee, welcheeiner andern Armee an numerischer Stärke nachsteht, an Schnelligkeitder Bewegungen und Operationen sie aber übertrifft, kommt allen ihrenBewegungen zuvor und kann mittelst ihrer Schnelligkeit auf einem Punktmehr Truppen sammeln als die feindliche, was im Kriege ungemein vor-theilhaft ist und fast immer entschiedenen Erfolg hat.

Unter allgemeiner Beweglichkeit endlich versteht Lloyd die erstefundamentale Aufstellung der Truppen, die mit gleicher Bequemlichkeitbei jeder Art Oertlichkeit angewandt, gegen jede Truppengattung, sowie zum Angriffe und zur Verteidigung benutzt werden kann undwelche während des Kampfes selbst gar kein Hin- und Herrücken, keineUmformirungen und Aenderungen, mit Ausnahme etwa der Absendungeiner grösseren oder geringeren Truppenzahl nach irgend einem Punktehin, erfordert. Die Vereinigung dieser drei Eigenschaften : der Stärke,Schnelligkeit und allgemeinen Beweglichkeit würde eine Vollkommen-heit bilden, welche die Armee selbstverständlich entweder gar nicht oderwenigstens schwer erreichen kann, nach der wir aber auf jede Weisestreben müssen.

Einer der grössten Herrscher unserer Zeit (Friedrich IL) sagtLloyd hat wirklich ungewöhnliche Heldenthaten vollbracht, und da-her haben unsere (d. h. Lloyd's Zeitgenossen) Militärpersonen nichtsBesseres ausgedacht, als die Organisation, Schulung, Aufstellung, Be-wegungen u. s. w. seiner Truppen anzunehmen. Aber sie haben nichthinlänglich bedacht, dass seine Kriegserfolge von der Lage, in der erund seine Gegner sich befanden, abhingen, und dass ein mit so seltenenFähigkeiten begabter Herrscher, der selbst seine Armee befehligt, dieunvergleichlichen Vorzüge der Einheit und Kraft der Handlungen,von denen grösstentheüs der ganze Erfolg im Kriege abhängt, besitzt.Die stete Fürsorge des Königs von Preussen. die Disciplin in seinenTruppen aufrecht zu erhalten , bietet ihm im Vergleich mit seinen Geg-nern im höchsten Grade die Freiheit des Manövrirens, und darin ist dennauch eine der Hauptursachen seiner Erfolge enthalten; alles Uebrige istSache seines Verstandes und seines Geistes, die Organisation seinerTruppen aber und die ungeheure Menge von Kleinigkeiten, die er anihnen streng beobachtet, haben darauf nicht den geringsten Einfluss.