10. Die Kriegswissenschat't, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 301
die deutschen; übrigens sind sie den Erstem mehr ähnlich und äussernoft ebensoviel Ungeduld und Lebhaftigkeit. Wenn die englische Ver-fassung es zulassen würde, derDisciplin mehr Kraft beizulegen, die Mili-tärbelohnungen gleichmässiger zu vertheilen, und besonders aus der Armeedie Käuflichkeit der Officierspatente und Aemter zu entfernen, so glaubeich, sagt Lloyd, dass die englische Armee die erste oder wenigstens eineder ersten in der Welt sein würde. — Was die Türken oder im Allge-meinen die Völker anbelangt, die eine ausschliessliche Militär-Regierunghaben, so müssen sie durchaus nach und nach iu Verfall kommen, wennihr kriegerischer Geist nicht durch beständige Kriege und durch den-selben Fanatismus, der die anfängliche Ursache ihrer kriegerischen Be-geisterung war, aufrecht erhalten werden wird. Da die Stärke ihrerArmeen nur in der Zahl und dem Enthusiasmus enthalten ist, so wird, so-bald der Letztere verweht, die numerische Stärke zu nichts führen, undihr Staat, der Ursache beraubt, die ihn begeistert und aufrecht erhält,wird unter seiner eigenen Last zusammenstürzen.
§. J26.
Lloyd's Denkschrift. Theil I, Kapitel 1: Ueber den Krieg im
Allgemeinen.
Der Krieg ist ein Zustand der Operation, und die Armee das be-wegliche Werkzeug, welches zur Ausführung aller Kriegsoperationenbestimmt ist. Dieses Werkzeug besteht ähnlich allen andern, ausverschiedenen Bestandtheilen, und von der guten Beschaffenheit einesjeden einzelnen und von der guten Vereinigung aller unter einander,hängt die Vollkommenheit des ganzen Werkzeuges, der Armee, ab.Das allgemeine Ziel dieser Beständtheile muss Stärke, Schnelligkeit undallgemeine Beweglichkeit sein. Wenn die Vereinigung aller Beständ-theile der Armee diesem Ziele entspricht, kann man sagen, dass dieArmee vollkommen ist.
Unter Stärke der Armee versteht Lloyd nicht die Menge des Kraft-aufwandes, der von der Zahl der Leute herrührt, sondern die vereinteKraft, die aus der Aufstellung und Bewaffnung der Truppen entspringt.Sie muss dem beabsichtigten Kriege entsprechend und gleich fähig zumAngriffe und zur Vertheidigung gegen Reiterei und Infanterie und jederArt von Oertlichkeit sein. Unter Schnelligkeit der Armee versteht erdiejenige Schnelligkeit, mit welcher die Armee verschiedene, im Laufedes Feldzuges nothwendige Märsche ausführt. Die Schnelligkeit isteine Haupteigenschaft der Armee. Sie kann nur durch ununterbrocheneUebung und .ausserdem durch die allerbeste taktische Einrichtung der