300 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
irgend einem wichtigen Fehler verleiten und dann. wenn ihr Feldherrso klug sein wird. ihnen ihre unbedachten Forderungen abzuschlagen,werden sie sich Gewalttätigkeiten und dem Desertiren hingeben. — Dieösterreichische Armee ist aus gehorsamen und geduldigen Landbewoh-nern zusammengesetzt, welche die allerschwersten Mühen nicht zumMurren bringen werden; sie sind wenig zum Enthusiasmus geeignet,aber zeichnen sich durch Sittlichkeit aus. Aeussere Eindrücke nimmtihr Verstand langsam auf, erhält aber diese lange. Durch ihren Ge-horsam sind sie für den Militärstand sehr geeignet und stehen wohl nurdenjenigen nach, die durch Fanatismus (oder Enthusiasmus) begeistertsind. — Bei den russischen Truppen kommen zu dem Gehorsam, derErgebenheit und der Geduld der österreichischen Truppen noch eineunbegrenzte Ergebenheit für ihre Herrscher und eine besondere Art vonEnthusiasmus, welcher sie vor allen übrigen Truppen auszeichnet und dersich namentlich in der unbezähmbaren Tapferkeit zeigt, die ihnen trotzaller schweren Umstände, in welche sie oft geriethen, den Sieg verlieh. —Die preussische Armee ist aus Ausländern verschiedener Gegenden,Sitten, Confessionen, Gebräuche und Charaktere zusammengesetzt, ausMenschen, die nur durch die eisernen Bande der grausamen Disciplinaneinandergefügt und zu einem Ganzen verbunden sind. Diese Strengeund die unablässige Sorge um die Erhaltung der gesetzlichen Ordnung'machen aus der preussischen Armee eine ihrem Umfange nach grosseund regelrecht organisirte Maschine, welche der mächtige Genius beseeltund belebt, der sie geschaffen. In diesem Zustande muss sie als eineder meist zu fürchtenden Armeen Europas anerkannt werden : wenn aberdiese mächtige Triebkraft ihrer Thätigkeit auch nur einen Augenblick ge-schwächt würde. so würden alle die verschiedenartigen Elemente derpreussischen Armee sich trennen und die grosse Maschine zerfallen undnur das Andenken an ihre kurze und ruhmvolle Existenz übrig bleiben.Die preussischen Truppen übertreffen alle übrigen europäischen Truppendurch ihre ungewöhnliche Manövrirfähigkeit und durch die Leichtigkeit,mit welcher sie das Manövriren bewerkstelligen, und darin ist denn auchdie Hauptursache ihrer Siege enthalten; denn das Genie ihres Königs(Friedrich II. , dem bei diesen Eigenschaften der preussischen TruppenAlles möglich ist. hätte ohne diese nichts ausrichten können. — Die spa-nischen Truppen sind tapfer und geduldig und ausserdem mit Ehrgefühlbegabt, welches auszubilden wäre um aus ihnen ausgezeichnete Truppenzu machen. Aber in jetziger Zeit, bei der Unwissenheit und Uner-fahrenheit der spanischen Generäle, würde die spanische Armee einetraurige Rolle spielen, und sogar dies nur höchstens in zwei, drei Feld-zügen. — Die englischen Truppen haben nicht die gleiche Lebhaftigkeitwie die französischen, und nicht dieselbe Langsamkeit oder Phlegma, wie