Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

10. Die Kriegswissensehaft, ihre Geschichteu. Literatur. Lloyd's System. 299

Wäldern und Bergen nähern sollen, ohne sie vorher besetzt zu haben,und dass, indem man beständig Infanterie- und Eeiterpatrouillen auf dieFlanken des Feindes sendet, die Armee die feindlichen Patrouillen nichtan sich heranlasse.

Man muss genau alle Städte und sogar alle Dörfer kennen, besondersdiejenigen, durch welche grosse Wege führen; sie bilden Engpässe, inwelchen man leicht den Feind aufhalten kann.

Allen diesen Regeln (die sich auf die Oertlichkeit des Landes be-ziehen] entsprechend muss man auch Lager aufschlagen, Märschemachen, mit einem Worte den ganzen Feldzugsplan zusammenstellen.Mit Kenntniss der Oertlichkeit des Landes allein kann die Zahl undGattung der Truppen, aus welchen die Armee gebildet werden muss,bestimmt werden. und folglich auch die Menge und Beschaffenheit derMagazine und die Punkte wo diese errichtet werden müssen. Ein nichtauf diese Grundlagen gestützter Operationsplan wird in der Ausführungohne Erfolg sein. Und somit hängt Alles, was es im Kriege nur Wichtigesgiebt, ganz von der Kenntniss des Landes ab, und ein weiser Feldherr wirdsich darauf mehr verlassen, als auf den ungewissen Ausgang des Kampfes.Wenn man das Land kennt, kann man alle Operationen mit geometrischerGenauigkeit bestimmen und Krieg führen, ohne zum Kämpfen gezwungenzu sein. Der Marschall Graf von Sachsen sagte, dass die Schlachten,von denen man sich nicht erklären kann, weshalb und wozu sie ge-schlagen worden, die Zuflucht der Unwissenden seien. Ausser der Topo-graphie des Landes ist es nothwendig die physikalische Beschaffenheitund die politische Organisation desselben zu kennen, nämlich : die Artenund Eigenschaften seiner Erzeugnisse, seinen Boden und sein Klima,die Verpflegungsmittel der Einwohner, die Regierungsformen, da diephysischen und moralischen Eigenschaften der Einwohner, die den Volks-charakter bilden, von allen diesen Gegenständen abhängen.

Dann spricht Lloyd seine Ansichten über die moralischen Eigen-schaften verschiedener europäischer Truppen aus. Die Franzosen, sagter, sind mit Lebhaftigkeit, Leichtsinn und ungewöhnlicher Empfänglich-keit oder mit der Fähigkeit äussere Eindrücke aufzunehmen, begabt,aber nicht auf lange, weil ein Eindruck schnell von einem andern ver-drängt wird. Daraus entspringt, dass der erste Angriff der Franzosenvon aufbrausender Natur und unbezwingbarer Stärke ist, worauf jedochbald moralische Erschlaffung und Sinken des Muthes folgt. Wenn mangegen französische Truppen Krieg führt, muss man diese in ununter-brochener Bewegung halten, besonders bei schlechtem Wetter, ihnenimmer durch Angriff zuvorkommen, unaufhörlich alle ihre Pläne durch-kreuzen und sie zwingen sich nach unseren eigenen Operationen zurichten. Bald wird die angeborene Ungeduld des Charakters sie zu