10. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's S3 r stem. 297
tionen, welche die Umstände erheischen können, vorzubereiten. Dasangeborene Genie wendet dann dieses entsprechend der Oertlichkeit.der Anzahl, Gattung und Eigenschaft der Truppen an, d. h. entsprechendsolchen Gegenständen, welche alle einer unzähligen Menge der ver-schiedenartigsten Erwägungen unterworfen sind.
Die Kriegskunst ist der Dichtkunst und der Beredsamkeit ähnlich.Vielen sind die Regeln gut bekannt, aber Wenige besitzen die Gabe desSchaffens: die Schöpfungen der Erstem, wenn sie auch in Allem denKegeln entsprechen, sind kalt und langweilig, weil in ihnen nicht dergöttliche Funke liegt, welcher der Stempel des Genies ist. So kennenauch im Militärstande Viele die Regeln 5 wenn es aber gilt diese Regelnanzuwenden, kommen sie ganz aus ihrer Fassung und sind äusserst ver-wundert, dass die wirkliche Oertlichkeit gar nicht mit den von ihnen inder Einbildung zusammengestellten Plänen in Einklang gebracht werdenkann, sondern dass sie selbst ihre Pläne der Oertlichkeit anpassen müssen.In der That sind in der Oertlichkeit die einzigen Regeln und die einzigeAnleitung für die Operationen enthalten. Jeder Marsch, jede Operation,der Oertlichkeit nicht entsprechend, ist ungeschickt und lächerlich. DieOertlichkeit das ist das grosse und einzige Buch des Krieges [oder BuchderKriegsgesetze), und derjenige, der nicht imstande ist, dieses zu ver-stehen, muss sich mit dem Rufe eines tapfern Kriegers begnügen unddarf keine Ansprüche auf den Ruf eines Feldherrn erheben!
Der wichtigste Gegenstand des Studiums für diejenigen, welche sichzu Obercommandirenden der Truppen vorbereiten, ist wohl die Geographieoder, richtiger gesagt, die Topographie. Denn es ist nicht genügendeinen allgemeinen Begriff über die Gegend zu haben, sondern nothwendig,genau die Oertlichkeit derselben, den Zustand des Gebiets, seine Erzeug-nisse und alle die besondern Umstände zu kennen, welche so eng mitden Kriegsoperationen verbunden sind, besonders Alles was auf dieFlüsse, deren Richtung, Tiefe, Breite, Buchten, Furten, auf Brücken,Schifffahrt u. s. w. Bezug hat. Wenn ein Fluss perpendiculär zurGrenze aus dem feindlichen Lande in das eigene fliesst, so muss maneine Festung möglichst stromaufwärts im Flussthaie besitzen, um denFeind an der Schilffahrt auf dem Flusse zu hindern, was für ihn sehrnützlich wäre, denn nichts erleichtert so sehr die Operationen der Armee,als die Schifffahrt. Wenn aber ein Fluss aus unserem Laude in das feind-liche fliesst, so muss man hingegen möglichst weit nach dem unterenLaufe des Flusses hin eine Festung haben, um in dieser Magazine zuerrichten, sobald wir ins feindliche Land einmarschiren. Wenn einFluss längs unserer Grenze fliesst, so muss man an dieser zwei oder dreigut befestigte Haupt-Punkte haben, um unser Land vor den Unterneh-mungen des Feindes zu decken, welcher dann in dieses nicht wird ein-