296 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
sind ihre Schriften unterhaltend, aber nicht belehrend. Diejenigen,welche sich dem Militärstande widmen , müssen durchaus die didaktischeund historische Lehre vereinigen. Ganz wahr ist der lateinische Aus-spruch : Longum iter per praecepta, breve et efficax per exempla (langist der Weg der Belehrung, kurz und wirksam der Weg der Beispiele .Daher wurde die Geschichte immer als bestes, leichtestes und wirk-samstes Mittel zum Lernen dargestellt. Alle alten und neueren Militär-geschichtsschreiber unterliegen dem Vorwurfe von Ungenauigkeit undUnbestimmtheit 1) hinsichtlich der Beschreibung der Gegenden, in denender Krieg geführt wurde, und der Schlachtfelder; 2) betreffs der Angabeder Zahl, Art und Eigenschaft der Truppen, welche die Armee bildeten,und 3) bezüglich der so nöthigen Erklärung Alles dessen, was auf denOperationsplan Einfluss haben konnte, desgleichen wo und weshalb jedeOperation stattfand.
Lloyd sagt, seine Ansichten über die Hauptregeln des Krieges dar-legend : Obgleich die Wissenschaft über die Kriegführung von Allen un-umstösslich als die schwerste aller Wissenschaften anerkannt wordenist, so sind doch die sich dem Militärstande widmenden Personen aussonderbarem Widerspruche des menschlichen Geistes sehr wenig odergar nicht bemüht, sich diese durch Studium anzueignen. Dennoch istdie Kriegführungskunst, wie jede andere Kunst, auf beständigen Regelnbegründet und nur die Anwendung derselben ist Aenderungen unter-worfen. Alles, was im Kriege am schwierigsten ist, muss in zwei Theilegetheilt werden: in den materiellen oder sachlichen Theil der Kunst,der durch Regeln bestimmt werden kann, und in einen zweiten Theil,der keinen Namen hat und den man weder bestimmen noch lehren kann:dieser, der höhere Theil des Krieges, besteht in dem Verständnissschnell und richtig die Regeln bei unendlich vielen vorkommenden ver-schiedenartigen Umständen anzuwenden *]. Es giebt keine Geschichte,kein Studium, wie sorgfältig es auch sei, keine Erfahrung, wie langjährigsie auch gewesen, welche diesen Theil lehren könnten : es ist die Gabedes angeborenen Genies! Alles, was im Kriege Technisches (Mate-rielles oder Sachliches) ist, kann mathematischen Regeln untergeordnetwerden. um die Stammtheile der Armee zu allen verschiedenen Opera-
*) Dieselbe Wahrheit hat auch Napoleon I. in seinen Memoiren durch folgendeWorte ausgesprochen: »La partie divine de l'art, c'est tont ce qui derive des con-siderations morales du caractere, du talent, de Finteret de votre adversaire, del'opinion, de l'esprit du Soldat, qui est fort et vainqueur, faible et battu, selonqu'il croit l'etre. La partie terrestre, c'est les armes, les retranchements, leapositions, les ordres de bataille, tout ce qui tient ä la combinaison des chosesmaterielles.«
Napoleon I. Memoire^ t. V, notes et melanges.