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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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]0. Die Kriegswissenschaft, ihre Geschichte u. Literatur. Lloyd's System. 291

mit diesen Festungen und Niederlagen waren für sie unvergleichbar wenigerwichtig, als in der Neuzeit nach Einfuhrung der Feuerwaffe, und alle dieErwägungen, deren Zweck der Schutz der eigenen Communicationenund die Operationen gegen die feindlichen sind, waren für sie ganz un-wichtig oder, besser gesagt, unbedeutend. Der Kampf hingegen warsehr entschieden und von höchster Wichtigkeit. Die Truppen der Altenmussten, der Eigenschaft ihrer Waffen nach auf eine nahe Entfernungherankommen und handgemein werden; den Kampf einzustellen odersich mit einem kleinen Verluste zurückzuziehen, war unmöglich: esgab keine Waffen, mit denen man von Weitem operiren und dadurch dieVerfolgung des Feindes verzögern und zurückhalten konnte; daherkämpften beide Parteien bis auf's Aeusserste und. der Sieg war mit fastgänzlicher Vernichtung des Besiegten verbunden. Daraus sieht man,dass die Feldherren der Alten es gar nicht nöthig hatten, ihre Zuflucht zuirgend welchen andern Erwägungen ausser den taktischen zu nehmen,um mit Hilfe derselben den Erfolg im Kampfe entschiedener zu machenoder eben solche Erfolge zu erzielen wie durch den Kampf, oder schliess-lich dasjenige zu verbessern, was durch den verlorenen Kampf einge-büsst worden war. Daher war der Kreis der aus der taktischen Brancheentsprungenen Kriegsoperationen sehr beschränkt, und die Taktik oderWissenschaft des Kampfes bildete den Haupt- und wichtigsten Zweigder Kunst der Kriegführung.

In der Neuzeit aber von der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an,als die Feuerwaffe nach und nach bei der Infanterie und sogar bei derReiterei allgemein wurde, als die Zahl der Artillerie bei den Armeen unddie numerische Stärke der Armeen selbst sich ungemein vergrösserte,als man endlich diese zahlreichen Armeen einzig durch Zufuhr von Pro-viant aus den in ihrem Kücken hergerichteten Magazinen zu verpflegenbegann, da erlangten die Festungen, die als Niederlagen der Feuer-waffen und Munition, des Proviants und anderer für die Armeen nöthigenKriegsvorräthe dienten, desgleichen die Communicationen der Armeenmit diesen Festungen und Niederlagen, die grösste Wichtigkeit. DieNotwendigkeit einer beständigen Zufuhr von Proviant, Munition undKriegsmittel aus den Niederlagen zur Armee zog auch die Nothwendig-keit eines sorgfältigen Schutzes dieser Niederlagen und der Communi-cationen der Armeen mit ihnen, nach sich. Der Verlust eines grossenMagazins oder eines grossen Transports konnte gerade so wichtigeFolgen haben, wie der Verlust einer Schlacht. Der Kampf verlorindessen seine frühere grosse Wichtigkeit und .wurde, der Eigenschaftder Feuerwaffe nach, mehr aber noch durch die Untauglichkeit der da-maligen Armeen zu schneller und anhaltender Verfolgung, die so nöthigist um aus dem erfochtenen Siege den grösstmöglichen Nutzen ziehen zu

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