288 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
in der That erstreckte sich die Fürsorge für die Sieherstellung der eigenenCommunicationen so weit, dass, trotz der ungemein grossen Ausdehnungder Linien, wenn das Centrum oder eine der Flanken oder sogar nurirgend ein Theil derselben, gezwungen war, sich um ein Unbedeutendeszurückzuziehen, die Communicationen der Armee und die übrigen Theileder Letzteren schon für gefährdet erachtet wurden und auch diese zumRückzüge gezwungen waren. Somit war das Cordonsystem nicht nurfür Offensivoperationen, sondern auch für die Vertheidigung des Landesoder der Staatsgrenzen weder geeignet noch vortheilhaft. Trotzdem undungeachtet des Misslingens bei der ersten Anwendung des Cordon-systems, verbreitete es sich nicht nur überall, sondern fasste auch tiefeWurzel, zum sichtlichen und bedeutenden Nachtheil für Alle, die es an-wandten. Es schien, als ob zur selben Zeit, da der schwerfällige, trägeund leblose Methodismus am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahr-hunderts schwächer zu werden begann, die Oesterreicher wie absicht-lich denselben von Neuem in früherer Kraft, nur in anderer Form her-stellen wollten.
§. 121.
Allgemeine Schlussfolgerung.
Aus allem Vorhergesagten ist im Allgemeinen zu schliessen, dassder Einfluss Friedrich's und die falsche Deutung der Ursachen seiner Er-folge die Art und Weise der Kriegführung, welche dem Ende des 17.und dem Anfange des 18. Jahrhunderts eigen war, änderte und aus derVermischung des alten mit dem neuen entstand eine besondere, dieserPeriode eigene Art und Weise der Kriegführung. Die charakteristischenZüge derselben waren:
1) die gegen früher geringere Wichtigkeit der Festungen, der na-türlichen und künstlichen Hindernisse und der Operationen;
21 begannen entschlossene Operationen im Allgemeinen und der Kampfinsbesondere von Neuem die Wichtigkeit zu erlangen, die sie früher be-sassen, aber in der vorhergehenden Periode eingebüsst hatten, und
3) besonders die übermässig erhöhte Wichtigkeit der Communi-cationen , der Beschützung der eigenen und der Operationen gegen diefeindlichen, sowie desManövrirens.
Ausserdem erhielten die Operationen der leichten Truppen eine be-deutende Entwickelung. Selten, nur in äussersten Fällen, suchten dieArmeen Schutz in befestigten Lagern, noch seltener oder besser gesagt,niemals in befestigten Linien. Unthätigkeit kam seltener, aber den-noch ziemlich oft vor. Die Feldzüge begannen früher und endeten später.