280 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Armeen von den Magazinen zu verringern und folglich in gleichem Gradedie Freiheit, Schnelligkeit und Entschlossenheit ihrer Operationen zuvergrössern; 2) weil die Gegner Friedrich's, denen im siebenjährigenKriege ungemein grosse Streitkräfte und Mittel zu Gebote standen, nichtmehr den Zweck hatten, irgend eine Festung oder einen Landstrich zuerobern, sondern nach dem Sturze und der Zerstückelung Preussenstrachteten, folglich auch der Krieg selbst natürlicher Weise einen vielentschiedeneren Charakter haben musste; 3) weil Friedrich, der keinengrossen Staat hatte und sich fast immer in der Nähe des Mittelpunktesseiner Besitzungen befand, zu gleicher Zeit von den Armeen mehrererStaaten von allen Seiten angegriffen, nicht mehr nach seinem Gut-dünken dem Kampfe ausweichen und seine Gegner durch blosses Ma-növriren oder allein durch Operationen auf ihre Communicationen zu-rückhalten konnte, sondern im Gegentheil gezwungen war, entschlossenzu operiren, die Schlacht als Ziel im Auge, denn die taktischen Vorzügewaren ihm als einziges Mittel zur Erreichung von Erfolgen geblieben,um so mehr, da die preussischen Truppen in taktischer Organisation,Beweglichkeit und Fähigkeit zum Manövriren die Truppen der Verbün-deten ebenso bedeutend überragten, als Friedrich selbst die verbündetenFeldherren in der Kunst hinsichtlich der Truppenverwendung im Kampfeübertraf.
Auf diese Weise trugen in den Kriegen Friedrich's, besonders imsiebenjährigen, alle Ursachen, alle Umstände dazu bei, um alle dieseKriege und Operationen in denselben bedeutend entschiedener zu machen,als die Kriege und Kriegsoperationen am Ende des 17. und am An-fange des 18. Jahrhunderts waren, sowie auch dazu, den Kampf vonNeuem zum Gegenstande höchster Wichtigkeit und die Operationengegen Festungen, Magazine und Communicationen der Armeen mit letz-teren zu untergeordneten Mitteln zu machen.
Die Ursachen der Erfolge Friedrich's waren fast für alle seine Zeit-genossen ein Bäthsel, über diese wurde sehr verschieden geurtheilt, undähnlich den Ursachen der Erfolge Gustav Adolph's, wurden sie von fastallen falsch ausgelegt. Eine geringe Zahl der Zeitgenossen Friedrich'ssuchte und fand diese einzig in der Ueberlegenheit der taktischen Ein-richtung der preussischen Truppen, die jedoch im Wesentlichen nichtnur in der Bildung, der Erlernung des Frontedienstes und der Operations-art der Truppen, sondern auch in den Kleinigkeiten der Kleidung, Be-waffnung, Lehrmethode, Dienstordnung u. s. w. enthalten war, die alleblind und sklavisch nachahmten, obgleich sie gar nicht die Ursachenersten Grades und gar nicht am wichtigsten waren.
Einige suchten die Ursachen der Erfolge Friedrich's in seiner Artund Weise zu operiren und Krieg zu führen. Die Aufmerksamkeit der